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Wenn der Funke überspringt
(28.06.2019)

Vom Hobby zur Berufsfeuerwehr ist es ein anstrengender Weg

Schwerin • „Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrmann“ – wer hat sich das wohl nicht gewünscht, als er klein war? Mit dem roten Löschfahrzeug durch die Straßen brettern, Blaulicht und Tatütata. Feuerwehrmann ist ein echter Traumberuf, ein Beruf mit Tradition. In diesem Jahr feiert die Schweriner Berufsfeuerwehr (BF) bereits ihr 150-jähriges Jubiläum. Doch wie sieht die Ausbildung zum Feuerwehrmann eigentlich aus?

Malte Behrendt ist noch ganz frisch bei der Schweriner BF. Erst im Dezember vergangenen Jahres wurde er als Beamter auf Probe vereidigt. Doch schon früh war für ihn klar, was er einmal werden möchte. „Mein Vater und meine Schwestern waren in der Freiwilligen Feuerwehr. Und dann bin ich da halt auch hingegangen“, so der 27-Jährige. „Das war schon echt spannend. Die Wettkämpfe und dass man so eine Uniform anziehen durfte.“ Schnell ist er begeistert von dem, was er dort erlebt.
Für eine Ausbildung bei der BF braucht es allerdings mehr als Interesse und Spaß an der Freud’. Eine Lehre in einem handwerklichen oder medizinischen Beruf ist notwendig. Nach der Schule wird Malte deshalb Kfz-Mechatroniker, bewirbt sich aber vier Jahre lang bei unterschiedlichen Feuerwehrstationen. „In der Zeit habe ich mich richtig reingehängt, etliche Bücher gelesen und mit extra Computer-Programmen geübt.“ In Schwerin wird der Junge aus Schleswig-
Holstein schließlich zum schriftlichen Test eingeladen. Dieser beinhaltet Aufgaben unter anderem in Mathe, Deutsch, technischem und physikalischem Verständnis sowie logischem und räumlichem Denken. Anschließend folgt der Sporttest. Hier werden in unterschiedlichen Disziplinen Ausdauer, Reaktionsvermögen, Kraft, Schnelligkeit sowie Koordinationseigenschaft und Gleichgewichtssinn getestet. „Ein Kumpel und ich haben die einzelnen Stationen damals in einer Sporthalle nachgebaut und geübt. Auch Drehleitersteigen und eine Atemschutzstrecke gehörten zum Test“, erinnert er sich. Dann galt es, sich in einem Vorstellungsgespräch von seiner besten Seite zu zeigen. Immerhin sind Teamfähigkeit und Einsatzbereitschaft zwei der wichtigsten Voraussetzungen, um bei der Fw anzuheuern. Auch das meisterte Malte mit Bravour, genauso wie die gesundheitliche Untersuchung beim Amtsarzt. Anfang 2017 war dann klar: Malte darf die Ausbildung machen und ist nun Feuerwehrbeamter auf Widerruf. Es folgen drei Monate Rettungssanitäterausbildung, ein Monat Sportbootführerschein und Rettungsschwimmabzeichen, sechs Monate Grundausbildung, ein Jahr Wachpraktikum und schließlich die Laufbahnprüfung mit vier schriftlichen Tests und einem praktischen. „Es war ein langer und anstrengender Weg, aber es hat sich gelohnt. Jetzt bin ich Beamter auf Probe, nach drei Jahren dann Beamter auf Lebenszeit”, sagt er. „Die meisten Einsätze habe ich im Rettungsdienst. Innerhalb von zwölf Stunden muss ich fünf bis zehn Mal rausfahren. In manchen Wohnungen oder bei schweren Verkehrsunfällen sieht man natürlich auch mal nicht so schöne Dinge (Foto rund). Aber darüber kann ich mit den Kollegen immer sprechen. Wir sind wie eine Familie.“ Nach zwölf Stunden steht am Abend der Funktionstausch auf dem Plan. Wer tagsüber im Rettungsdienst gearbeitet hat, wechselt in den Bereich des Löschzuges, und andersrum. Für Malte ist es sein Traumberuf. Spannend und abwechslungsreich ist er allemal.

Dürfen Feuerwehrmänner einen Bart haben?
Dürfen sie, jedoch muss der Dichtungsbereich der Atemmaske haarfrei bleiben.

Gibt es noch Rutschstangen und was sollen diese Klamotten-Haufen vor den Löschfahrzeugen?
Bei einem Einsatz zählt jede Minute. Der schnellste Weg führt da manchmal tatsächlich über die Rutschstange, von der es in der Hauptwache zwei Stück gibt. Auch das Anziehen der Schutzkleidung darf nicht viel Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb liegen Schuhe, Hose, Jacke, Handschuhe und Helm immer griff- und anziehbereit.

Warum heulen samstags um 12 Uhr die Sirenen?
In vielen Orten ist dies ein Test, um die Funktionsfähigkeit der Sirenen zu jeder Zeit zu gewährleisten. Im Ernstfall hat die Sirene je nach Tonfolge verschiedene Bedeutungen.

Text: Marie-Luisa Lembcke

BU1: Für Malte Behrendt hat sich der Traum vom Beruf als Feuerwehrmann erfüllt, Fotos: maxpress/Feuerwehr
BU2: „In manchen Wohnungen oder bei schweren Verkehrsunfällen sieht man natürlich auch mal nicht so schöne Dinge”, weiß Malte Behrendt aus Erfahrung

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