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Weniger Straftaten in 2018
(11.04.2019)

Überwachung am Marienplatz zeigt erste Erfolge

Schwerin • Die Kriminalpolizeiinspektion Schwerin hat am 11. April ihre Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) Schwerin 2018 präsentiert und überwiegend positive Bilanz gezogen. So wurde im vergangenen Jahr beispielsweise eine Bande gefasst, die für zahlreiche Beschädigungen und Diebstähle an und aus Autos verantwortlich war. Auch einen Brandstifter konnten die Ermittler fassen. Fazit für das vergangene Jahr: weniger Straftaten und eine bessere Aufklärungsquote. Das sei nicht zuletzt den Maßnahmen auf dem Marienplatz zu verdanken.

Während die Zahl der Straftaten 2016 und 2017 noch weit über der 11.000er-Marke lag, konnten die Ermittler der Polizeiinspektion im vergangenen Jahr nur noch 10.645 Delikte zählen. Das sind gut 1.000 weniger, als im Vorjahr. „Das begründet sich vor allem auf einen starken Rückgang bei den Diebstählen. Dort alleine waren es 500 weniger, als noch 2017”, berichtete Tom Sperling, Leiter des Kriminalkommissariats. Gleichzeitig habe es jedoch einen Anstieg beim „Erschleichen von Leistung” gegeben – dem Schwarzfahren. 1.521 Fälle wurden 2018 gezählt. Im Vorjahr seien es noch 90 weniger gewesen. Auch bei den Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung ist die Zahl von 83 auf 108 angestiegen. Dies begründet sich jedoch auf eine Gesetzesnovelle. Während in den Vorjahren die niedrigste Stufe der sexuellen Belästigung (z. B. Grabschen) noch unter der Kategorie „Beleidigung auf sexueller Basis” geführt wurde, wird sie nun zu den Straftaten gezählt.

Bei den Aufklärungsquoten konnten die Ermittler vor allem im Bereich der höheren Diebstähle Erfolge vorweisen. Insgesamt wurden 68 Prozent aller Straftaten aus 2018 aufgeklärt. Seit 2015 ist die Quote damit um 6,1 Prozentpunkte gestiegen.
Bei der Frage nach dem Alter und der Herkunft der Tatverdächtigen, zeigt die PKS einen deutlichen Wandel auf. „Die Anzahl der minderjährigen Tatverdächtigen ist gestiegen, während die der erwachsenen rückläufig ist”, so Tom Sperling. Zudem sei die Zahl der nichtdeutschen Verdächtigen gestiegen. „Das kann damit zusammenhängen, dass den Nichtdeutschen weniger Vertrauen entgegengebracht wird, die Menschen aufmerksamer sind und Vorfälle deshalb eher und öfter zur Anzeige bringen”, ergänzt der Leiter der Polizeiinspektion Schwerin, Lutz Müller.

Einen deutlichen Rückgang konnten die Polizisten bei der Zahl der Wohnungseinbrüche feststellen. 2017 waren es noch 134 Einbrüche, von denen 28 aufgeklärt wurden. Im vergangenen Jahr konnten die Ermittler von nur noch 97 Einbrüchen insgesamt 29 Fälle lösen.  „Beim Bundesdurchschnitt liegen wir aber immer noch ungefähr im Mittel. Darauf sind wir nicht unbedingt stolz”, so Tom Sperling.

Der Marienplatz und die Altstadt, die vor einiger Zeit wegen vermehrter Straftaten für Diskussionen sorgten, haben sich im vergangenen Jahr deutlich entspannt. Der spürbare Rückgang lässt sich auch auf die Präsenzmaßnahmen zurückführen. „2018 waren die Kollegen insgesamt 5.000 Stunden auf dem Marienplatz. Diese Präsenz haben wir ab Januar, als die Kameraüberwachung in den vorläufigen Betrieb ging, auf Null zurückgefahren”, so Lutz Müller. Da seitdem kein erneuter Anstieg der Straftaten zu verzeichnen gewesen sei, könne davon ausgegangenen werden, dass das System seine Wirkung nicht verfehle. Lutz Müller und Tom Sperling fanden für die erste Bilanz zu Kameraüberwachung klare Worte: „Es ist eine super Maßnahme. Für das Aufklären von spontanen Delikten ist sie genial.” Am 1. Mai gehe das System in den Wirkbetrieb für sechs Monate. Danach werde ein Fazit gezogen. Doch schon jetzt wurden mit der Überwachung 28 Sachverhalte aufgeklärt. „Einer Frau ist beispielsweise das Handy aus der Handtasche abhanden gekommen. Die Aufnahmen haben gezeigt, dass eine Person auf dem Marienplatz herumschlich und das Handy aus der Tasche zog. Fünf Tage später wurde die Person bei einem Ladendiebstahl erwischt und konnte anhand der Aufnahmen mit dem Handydiebstahl in Verbindung gebracht werden”, berichtet Lutz Müller. In einer anderen Situation habe eine Person angezeigt, auf dem Marienplatz geschlagen worden zu sein. Die Überwachung habe dann aber gezeigt, dass Alkohol und ein Sturz ohne Fremdeinwirken die Übeltäter gewesen waren.

Auch für die Einschätzung der Gefahrenlage sei die Überwachung sehr hilfreich. „Wenn wir eine Meldung bekommen, dass es vor Ort eine Auseinandersetzung gibt, können wir über die Kameras die Situation einschätzen und den Einsatz sinnvoll und zweckmäßig planen. Es nützt ja niemanden, wenn wir fünf Einsatzwagen hinschicken, obwohl es nur um zwei Streitende geht. Dann können wir parallel nirgendwo anders sein”, so Tom Sperling. Nichtsdestotrotz sei auch die Videoüberwachung keine Wunderwaffe. Geplante Straftaten würden sich beispielsweise einfach an andere Orte verlagern.

Eine Entwicklung, die auch die Schweriner Polizisten als bedenklich empfinden, ist die entwicklung von Vorfällen an Schulen. „Viele Sachverhalte können ja zwischen Schülern, Eltern und Lehrern geklärt werden. Wir haben jedoch das Gefühl, dass wir viel öfter hinzugezogen werden müssen”, berichtet Lutz Müller. Dabei gehe es oft um das sogenannte „Abziehen”, also eine gewaltlose Bedrohung, aber auch Mobbing, Drogen und Internetkriminalität. Deshalb verstärke die Polizeiinspektion Schwerin ihre Präventivmaßnahmen. „Unsere fünf Präventionsbeamten sind etwa dreimal die Woche an Schulen unterwegs”, so Tom Sperling. Doch nicht nur in den Bildungseinrichtungen, auch in den Ortsteilen selbst oder direkt in den Familien versucht die Polizei Straftaten zu vermeiden und Gefahrenpotenzial zu erkennen. „Da sind wir zwar auf einem guten Weg, aber noch lange nicht zufrieden”, zieht Lutz Müller Bilanz.


Einige kuriose Fälle habe es 2018 auch gegeben. So sei ein Einbrecher beispielsweise geschnappt worden, weil er seinen Schuh auf einem Balkon verloren hatte und einige Zeit später zum Ort des Geschehens zurückgekommen sei, um den Schuh zu holen. Ein Paar Winterschuhe, die im Februar an der Großen Karausche gefunden wurden, hielt die Polizei für einige Tage in Atem. Weil der Verdacht nahe lag, dass eine Person beim Schlittschuhlaufen im Eis eingebrochen sein könnte, wurden Hubschrauber, Hunde und sogar Taucher eingesetzt. Schließlich stellte sich heraus, dass leichtsinnige Jugendliche sich einen Scherz erlaubt, einer Schlittschuhläuferin die Wechselschuhe gestohlen und erst einige Zeit später wieder zurückgelegt hatten.

In letzterem und vielen anderen Fällen haben Hinweise aus der Öffentlichkeit den Ermittlern bei der Aufklärung geholfen. Dafür bedankt sich die Polizeiinspektion bei allen Schwerinerinnen und Schwerinern.

Wer einen Vorfall zur Anzeige bringen will, kann dies im Übrigen auch über die Internetwache tun. Die Beamten erstellen darüber die Anzeige und teilen dem Anzeigensteller kurze Zeit später das Aktenzeichen mit. Lange Wartezeiten auf dem Revier werden so gespart.

Die Polizisten mussten 2018 in Schwerin weniger Straftaten verfolgen
Die Polizisten mussten 2018 in Schwerin weniger Straftaten verfolgen, Foto: Pixabay

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