Aktuelle-Ausgabe

Was Menschen glücklich macht
(01.02.2019)

Prof. Andreas Broocks über positive Gefühle aus medizinischer Sicht

Schwerin • Verliebt sein, eine Prüfung bestehen, Schokolade essen, einen Bungee-Jump wagen – solche Momente führen im menschlichen Gehirn kurzerhand zur Ausschüttung von Endorphinen, Dopamin und anderen Neurotransmittern – also „Glückshormonen”, die einem das emotionale Hoch bescheren. „Glück ist allerdings sehr subjektiv und wird bei jedem durch andere Dinge ausgelöst“, betont Prof. Dr. Andreas Broocks, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in den Helios Kliniken Schwerin. „Viele Menschen sind glücklich, wenn sie etwas Gutes getan oder eine schwierige Arbeit geschafft haben. Andere sind glücklich, wenn ihnen eine kriminelle Tat geglückt ist.“
Glück hängt also stark von der Persönlichkeit eines Menschen ab – und vom individuellen Glücks-Sollwert. „Das Wohlbefinden pendelt um diesen Wert. Erleben wir etwas Tolles, werden wir für ein paar Stunden oder Tage, ,glücklicher’. Das Gehirn will den Stoffwechsel aber wieder normalisieren und so klingen die Gefühle nach einiger Zeit wieder ab.“ Der Sollwert wiederum ist abhängig von genetischen Bedingungen und von prägenden Kindheitserfahrungen. „Deshalb gibt es Menschen, die erkennen jeden Tag Dinge, über die sie sich freuen. Andere haben eine Neigung zur Unzufriedenheit, was bis zur Verbitterung führen kann und so Glücksgefühle blockiert.“
Und natürlich können auch psychische Erkrankungen, durch einen gestörten Gehirnstoffwechsel, solche vorübergehenden Blockaden auslösen und das Glücksgefühl unmöglich machen.
Unabhängig von psychischen Erkrankungen sei es für viele Menschen aber wichtig, ob sie einen Sinn in ihrer Arbeit sehen und sich gewertschätzt fühlen. „Viele Menschen denken zu wenig darüber nach, was im Leben wirklich zählt. Dabei lässt sich auch Schweres ertragen, wenn ein Sinn zu erkennen ist. Immer wieder geht es darum, innerlich Frieden zu finden, wenn man etwas nicht ändern kann. Also dass man lernt, bestimmte Umstände zu akzeptieren, dankbar zu sein, gute Beziehungen pflegt und wenn man sein Leben, seine Kraft und Zeit dann auch noch für gute Ziele einsetzt, dann ist man vielleicht auch etwas glücklicher“, so der  Ärztliche Direktor der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik.
Eine kleine Hausaufgabe für den Anfang gibt es deshalb auch noch: Einfach mal wieder Komplimente verteilen und selbst den ersten Schritt gehen, anderen ein gutes Gefühl zu geben.

Prof. Dr. med.Andreas Broocks
Prof. Dr. med.Andreas Broocks. Foto: maxpress

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