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Selbstgemacht statt Souvenir
(31.05.2019)

Neue „ManufakTour“ verbindet Ausflüge in und um Schwerin mit dem Trend zum Do it yourself

Schwerin • „Handwerk ist in“, da ist sich Catharina Groth vom Stadtmarketing sicher. Deshalb sind 20 Manufakturen Anziehungspunkte für eine besondere Ausflugsroute. Sieben davon sind direkt in der Landeshauptstadt, die weiteren führen den Entdecker zum Beispiel nach Picher, Ludwigslust, Sukow, Gadebusch, Wismar, Thandorf oder Krakow am See.

„Wir bieten hier keine geführte Tour an, sondern der Besucher wählt selbst aus, welche Werkstatt er besuchen mag.“ Zu jeder Manufaktur gibt es einen Audioguide zum Download. Der Sprecher entführt in eine Welt aus Tradition, Liebe zum Detail und Ideenreichtum der einzelnen Kunsthandwerker. Sie erzählen Geschichten aus ihrer täglichen und doch nicht alltäglichen Arbeit. Aus jedem sprüht die Leidenschaft für das entsprechende Gewerk, selbst wenn es manchmal beschwerlich ist. Die Holzbildhauermeisterin Silke Krempien ist zum Beispiel ein riesiger Fan der einheimischen Eiche. „Das ist natürlich sehr hartes Holz, aber mit den ganzen Ästen und Strukturen inspiriert sie mich beim Arbeiten.“ Inspiration treibt wohl alle an und so spiegelt die Arbeitsweise wider, was die Tour an sich vermitteln soll: Wie Bodenständigkeit mit neuen Ideen zusammen kommt. Übrigens ist längst nicht 
alles in den Manufakturen verkäuflich, selbst wenn der Besucher ein Auge darauf geworfen hat. Zehn besondere Stücke im Hutsalon Rieger bleiben im Schaufenster, für immer. „Es sind Glücksbringer“, erzählt die Putzmeisterin. „Da steckt so viel Zeit und Liebe drin, die borge ich allerhöchstens mal aus.“
Viel wichtiger, als irgendetwas zu kaufen, ist ohnehin das Selbermachen. Deshalb bieten viele der Werkstätten entsprechende Kurse an und sichern damit mehr als ein schnelles Souvenir. So können Besucher ihr Handwerksgeschick beim Pappmaché oder in der Porzellan-Malerei erproben, das Filzen erlernen, Goldschmieden, die Geheimnisse der Buchdrucker-Kunst lüften oder auch ihre eigene Tasche nähen. Letzteres geht bei den Jungs von Red Rebane. „Bei uns kann man aber auch einfach so den Kopf zur Tür reinstecken. Einer von uns nimmt sich dann Zeit, was zu zeigen“, meinen Christian Karius und Stephan Porth. „Danach sind die Manufakturen auch ausgesucht worden“, so Catharina Groth. „Die Kunsthandwerker kommen gerne mit Gästen ins Gespräch und lassen sie am Entstehungsprozess teilhaben. Das ist das Besondere. Und wer tatsächlich etwas selbst herstellt, für den hat der Ausflug einen ganz anderen Erinnerungswert.”

BU1: Silke Krempien schwört auf Eiche als ­Arbeitsmaterial, Foto: A.Jüngling
BU2: Im Hutsalon Rieger bekommen Köpfe ­i­hren besonderen „Putz“, Foto: D. Schäfer

Text: Janine Pleger

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