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SDS bewirtschaftet Stadtwald naturnah und nachhaltig
(31.01.2020)

Der Eigenbetrieb hat vor allem die Waldrandflächen zu Wegen, Straßen, Grundstücken und Spielplätzen im Blick

Schwerin • Wer zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, weiß die Natur in und um Schwerin zu schätzen. Viele tanken bei einem Sonntagsspaziergang im Wald so richtig Energie. Neben Erholung bieten die fast 500 Hektar Stadtwald auch zahlreichen Tieren ein Zuhause. Um die ökologische Funktion des Waldes aufrecht zu halten, sorgt der Eigenbetrieb SDS – Stadtwirtschaftliche Dienstleitungen Schwerin fachgerecht für dessen Fortbestand.

„Bei uns geht es um die nachhaltige, wirtschaftliche Nutzung des Waldes unter ökologischen Gesichtspunkten gemäß PEFC“, sagt Nonno Schacht, Bereichsleiter Öffentliches Grün/Friedhöfe beim SDS. Bei PEFC handelt es sich um ein Forst-Zertifizierungssystem, ähnlich einem „Wald-TÜV”. In ihm sind verschiedene Standards festgelegt, zu dessen Einhaltung sich die Landeshauptstadt verpflichtet hat. Erst im vergangenen Jahr erhielt der Eigenbetrieb wieder die Zertifizierung. Aber wie genau sieht die Waldbewirtschaftung beim SDS aus?

Verkehrssicherheit

Der Eigenbetrieb hat vor allem die Waldrandflächen zu Wegen, Straßen, Grundstücken und Spielplätzen im Blick – eine Strecke von immerhin rund 35 Kilometer. Dort führen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig Kontrollen durch und gewährleisten die Verkehrssicherheit der Bäume. Zahlreiche städtische Waldflächen grenzen zum Beispiel an Privatgrundstücke. Neigen sich Bäume zu stark in Richtung Grundstück, prüfen die Expertinnen und Experten, ob Handlungsbedarf besteht.
An vielen Stellen ist dann meist Handarbeit erforderlich. „Bei Flächen von weniger als einem Hektar, die wir Kleinstflächen nennen, kann man nicht mit großen Forstgeräten arbeiten“, erklärt Nonno Schacht.
Fachliche Unterstützung erhält der SDS durch das Forstamt Gädebehn. „Wir stehen in engem Austausch und machen regelmäßig Begehungen mit dem zuständigen Revierförster. Gemeinsam beraten wir, an welchen Stellen durchforstet oder aufgeforstet werden muss“, so Nonno Schacht, mit Blick auf die jährliche Planung. Wo der Borkenkäfer im vergangenen Jahr zum Beispiel circa vier Hektar Fichten zerstörte, wird im nächsten Herbst neu gepflanzt.

Holzverarbeitung

Forstlich bewirtschaftet werden nur zwei größere Waldflächen im Süden von Schwerin und an der Plater Straße. Dort gewinnt der SDS mit der Durchforstung des Waldes auch Ertragsholz. Gefällt wird aber immer nur so viel, wie auch nachwächst. Die Holzernte selbst übernehmen vom Holzhandel beauftragte Firmen. Einnahmen aus dem Holzverkauf fließen dann in die Refinanzierung der Bewirtschaftungskosten. Derzeit sei vor allem Buche gefragt. Mit 27,5 Prozent bildet die Baumart den größten Anteil im Stadtwald. Selbst bei Neuanpflanzungen werden Laubbäume stärker berücksichtigt als Nadelgehölze.

Umwelteinfluss

Auch den Klimawandel haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SDS und des Forst-
amtes bei ihrer Arbeit stets im Hinterkopf. Da Buchen langanhaltender Trockenheit perspektivisch nicht standhalten können, sind Alternativen gefragt. Aktuelle Erkenntnisse in die Waldentwicklung einfließen zu lassen, gehört deshalb ebenfalls zum Verantwortungsbereich. Wütende Herbststürme sind eine zusätzliche Herausforderung. „Letztlich kann aber trotz sorgfältiger Prüfung niemand in den Baum reinschauen. Ein Restrisiko bleibt immer. Bei Sturm und Unwetter kann etwas vom Baum runterfallen oder ein Baum umkippen. Das ist höhere Gewalt. Bei normalen Witterungsbedingungen sollte auf einem öffentlichen Weg, der als Wander- und Radweg ausgelegt ist, allerdings nichts passieren“, betont Nonno Schacht.

Waldkataster

Um sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen überhaupt sehen zu können, arbeitet der SDS mit einem Waldkataster – einer Übersicht zum Bestand aller städtischen Einzelwaldflächen. Schließlich werden nicht alle Flächen in Schwerin durch die Stadt bewirtschaftet. Der Waldkomplex Schelfwerder etwa gehört zum Landesforst. Im Waldkataster sind alle größeren und kleineren 48 Teilflächen der insgesamt fast 500 Hektar Stadtwald digital erfasst. Dort ist auch vermerkt, ob, wann und durch wen eine Baumkontrolle erfolgte, welches Ergebnis diese hatte und welche Maßnahmen sich daraus ableiten. Bei Bedarf können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Einzelflächen farblich anzeigen lassen. Die Datenbank wird regelmäßig aktualisiert.

Noch bis zum 15. März sind die Waldarbeiten in vollem Gange, dann erst wieder ab September. Grund: In der Zwischenzeit sollen Tiere bei der Brut und Jungenaufzucht ungestört bleiben. Die Förderung der biologischen Vielfalt ist ein Kriterium des PEFC.


Knapp 500 Hektar Wald

Der Stadtwald der Landeshauptstadt Schwerin mit insgesamt 487 Hektar besteht aus 48 Klein- und Kleinstflächen. Nach Abzug aller Flächen ohne wirtschaftliche Nutzung bleibt ein Wirtschaftswald mit einer Größe von circa 340 Hektar. Der Waldkomplex an der Plater Straße bildet mit 237,13 Hektar die größte Waldfläche.
Mit einem Anteil von 27,5 Prozent ist die Rotbuche die Hauptbaumart im Stadtwald, dicht gefolgt von der Kiefer mit 26 Prozent.
Übrigens: Holzdiebstahl im Wald ist eine Straftat, die mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden kann. Wer Holz braucht, kann sich unter der (03863) 22 53 20 beim Forstamt Gädebehn melden und es so auf legalem Weg beziehen.

ml

BU1: Nonno Schacht: „Der Wald an der Plater Straße ist einer von zwei größeren Waldflächen, die forstwirtschaftlich genutzt werden”
BU2: Bei PEFC handelt es sich um ein Forst-Zertifizierungssystem, ähnlich einem „Wald-TÜV”.
BU3: Im Waldkataster können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SDS Einzelflächen farblich anzeigen lassen.
Fotos: maxpress

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