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Scherbenfegen und Reis werfen hoch im Trend
(30.04.2020)

Alte Bräuche werden auf Hochzeiten noch zelebriert

Schwerin • Der älteste Brauch, den zukünftigen Eheleuten Glück zu wünschen, war der Polterabend. Schon vor mehr als 2.000 Jahren brachten die Gäste zum Polterabend altes Geschirr, dass sie mit kraftvollem Schwung vor die Tür der Feierstätte geworfen haben. Das Geschepper dabei sollte böse Geister verjagen. Anschließend musste alles zerbrochene Geschirr vom Paar – möglichst gemeinsam – aufgefegt werden. Der Brauch des Geschirr-Zerschlagens wurde auch auf Bauernhochzeiten vor 200 Jahren gepflegt. Hier waren es die Köchinnen, die beim sogenannten „Kellentanz” – direkt nach dem Ehrentanz der Neuvermählten – alles Geschirr zerschlugen, das in der Nähe stand. Auch damals galt schon: „Scherben bringen Glück!”
Bis heute gibt es auch den Brauch des Baumstammsägens. Zusammen müssen die Eheleute mit einer Schrotsäge das Stück Holz zertrennen und beweisen, dass sie gemeinsam mit Vertrauen und Stärke alle Aufgaben meistern. Auch der asiatische Brauch, das frisch vermählte Paar mit Reis zu bewerfen, wird immer wieder zelebriert und soll der Ehe Fruchtbarkeit und Kinder bescheren. Reis spielte allerdings auch beim Hochzeitsessen hierzulande eine Rolle. So stand bei Dorfhochzeiten immer dicker Reis auf der Tafel. Dazu gab es Hühnersuppe und gekochtes Rindfleisch.

maxpress/Steffen Holz

BU1: Dieses Brautpaar aus Schwerin ist beim Fegen mächtig ins Schwitzen gekommen 
Foto: maxpress



Hochzeit im Wandel der Zeit
Geheiratet wurde in Schwerin immer. Je nach Geldbeutel oder Besitz variierte der Aufwand, mit dem die Eheschließung gefeiert wurde. Eines ist zu allen Zeiten gleich gewesen: Die schönste Person des Tages war die Braut mit ihrem Kopfschmuck, der sich über die Jahrzehnte veränderte.

BU2:In den 80er-Jahren war es Tradition, dass die Paare nach der Eheschließung Blumen an einem Denkmal niedergelegt haben, so wie hier in Raben-Steinfeld.
BU3: So sah ein typisches Hochzeitsfoto der 60er-Jahre aus. Hierzu ging das Paar in ein Fotostudio und bekam fünf bis zehn Fotos.
BU4: So sah ein Brautpaar in mecklenburgischer Tracht im Jahr 1925 aus. Typisch: die kunstvolle Krone auf dem Kopf der Braut.
BU5: Bei Bauernhochzeiten vor 200 Jahren lud der sogenannte „Hochtidbidder” auf dem Pferd die Dorfbewohner zur Feier ein. Er war meist der Großknecht des Bauern.

Fotos: Stadtarchiv, Volkskundemuseum

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