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Nicht nur gucken – auch anfassen
(26.07.2019)

Berührungsängste sind bei öffentlicher Kunst nur in Ausnahmefällen tatsächlich angebracht

Schwerin • Kinder, die auf Denkmäler klettern, mit Skulpturen spielen oder sie mit Blumen schmücken – das ist niedlich, aber dürfen die das? Einige Bronzefiguren glänzen an den Stelle, wo sie die Betrachter zum Anfassen verleiten. Was ist erlaubt und was nicht?

Kinder sind echte „Kunstliebhaber”: Ohne Berührungsängste gehen sie ganz dicht heran, fassen an, klettern rauf, spielen, toben und sammeln Erinnerungen. „Aber das ist doch Kunst, das darf man doch nicht!”, schimpfen vielleicht einige. Doch das ist nicht ganz richtig. „Der Sinn dieser Objekte im öffentlichen Raum ist es, dass sie etwas auslösen”, so Dirk Kretschmar. Im Idealfall sorgen sie für eine künstlerische Debatte; im schlimmsten Fall einen entsetzten Aufschrei. Oder sie wecken den Wunsch, das Ganze einmal von Nahem, aus anderen Perspektiven und vielleicht durch Berührungen zu betrachten. Das ist legitim und erwünscht.
Natürlich hat all der Schabernack auch seine Grenzen – nämlich genau dann, wenn Kinder dabei zu Schaden kommen oder die Kunstobjekte beschädigt werden könnten. Empfindliche Kunstwerke lassen sich am besten mit etwas Abstand betrachten. Andere Objekte laden aber gerade zum Interagieren ein. Der Glücksdrache Nandolino am Pfaffenteich wäre beispielsweise nicht so beliebt, wenn Kinder auf ihm nicht so toll herumtoben könnten. Auch auf dem Mosaik-
Schwein am Burgsee lässt es sich wunderbar sitzen und reiten. Und die Seelöwen am Brunnen „Rettung aus Seenot” freuen sich immer über eine kleine Streicheleinheit.
Übrigens: Metall hat als Material für öffentliche Kunstobjekte nicht nur den Vorteil, dass es witterungsbeständiger ist als beispielsweise Stein oder Holz. Bronze-Skulpturen laden auch eher zum Anfassen ein als ihre steinernen Geschwister. Schon mal drüber nachgedacht? Einfach mal den Vergleich wagen!

BU: Die Drachenfigur „Nandolino” von Künstler Nando Kallweit hat schon seit seiner Enthüllung im Jahr 2011 eine große Anziehungskraft auf kleine Schweriner. Ebenso wie das Mosaik-Wildschwein am Burgsee, Fotos: maxpress

Text: Nele Reiber

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