Aktuelle-Ausgabe

Historische Stadt am Leben erhalten
(01.03.2019)

Ulrich Bunnemann berichtet vom Reiz und den Hürden seiner Arbeit

Schelfstadt • Wer den Sitz der Schelfbauhütte besucht, bekommt sogleich einen guten Einblick in die Arbeit von Geschäftsführer und Architekt Ulrich Bunnemann. Auf dem Gelände der Alten Brauerei hat das Architektenbüro bei der Wiederbelebung der alten Brauereianlagen wahre Wunder bewirkt. Aus den ruinösen Hallen eines alten Sudhauses sind 19 lichtdurchflutete Wohneinheiten direkt am Ufer des Ziegelinnensees geworden. Doch das ist nur eines der Beispiele, wie Ulrich Bunnemann den Geist des alten Schwerins zu bewahren versucht.

Bestandsgebäude zu sanieren, dass ist für den Architekten aus gleich zwei Gründen sinnvoll. „Zum einen habe ich einen energetischen Ansatz: Anstatt ein Gebäude abzureißen, nutze ich die Energie, die darin noch vorhanden ist. Das ist unser Beitrag zur Energiewende”, erläutert er. Der zweite Ansatz sei ein städtebaulicher. „Reiße ich ein Gebäude ab, dann lösche ich auch ein Stück Geschichte aus. Das versuchen wir zu vermeiden. Die Alte Brauerei beispielsweise wird nun immer die Alte Brauerei beiben. Aber von der Alten Molkerei spricht inzwischen kaum noch jemand”, so Ulrich Bunnemann. Wenn die Geschichte und der Geist eines Gebäudes erhalten bleiben, schafft das auch eine Identifizierung mit dem Ort.
Angefangen hat der Architekt mit dieser Arbeit, nachdem er vor etwa 21 Jahren nach Schwerin kam. „Damals war die Hälfte der Gebäude in der Schelfstadt leer. Wir haben mit der Zeit 50 Gebäude saniert. Heute ist es eine beliebte Wohngegend in Schwerin. Auch die Volksschwimmhalle in Lankow hat sein Architektenbüro unter die Fittiche genommen. Neben einer Wohnbebauung wird auch die Schwimmhallenfunktion reaktiviert. „Ich fand das wichtig, weil in diesem Gebäude halb Schwerin schwimmen gelernt hat”, so der Architekt. Zuletzt erhielt Ulrich Bunnemann den Zuschlag für das ehemalige Vorwärts-Gelände in der Weststadt. Bei dieser Anhandgabe gehe es nun in den Diskurs mit den Ämtern.
Die Kommunikation und Planung mit den Ämtern sei eine der Hürden, die es bei seiner Arbeit zu meistern gelte. „Man muss immer erst einmal die Stadtverwaltung und das Bauamt überzeugen. Dabei muss man die Ämter manchmal dazu bringen, Wege zu gehen, die sie sonst nicht gehen würden. Denn nur so kann man Besonderes erschaffen”, meint Ulrich Bunnemann. Hinzu kämen natürlich die finanziellen Herausforderungen. Fördergelder bekomme er für seine Arbeit nicht. Also wird alles aus der eigenen Tasche bezahlt. Ein Risiko, das sich für den erfahrenen Architekten aber bisher immer gelohnt hat. Auch in der Alten Brauerei ist noch längst nicht alles auf dem Stand, den sich der Architekt vorstellt. „Zwei Drittel sind fertig. Aber ein Teil der Gebäude ist schwierig zu beplanen. Der Zustand ist nach 20 Jahren Leerstand und vielen Bränden leider sehr ruinös. Trotzdem ist der Ansatz, die Gebäude zu erhalten, auch wenn es schwierig wird.”
Ulrich Bunnemann kann seinen Weg nur allen Investoren empfehlen: „Es können nicht alle raus auf die grünen Wiesen gehen und dort neu bauen. Es muss auch in den Erhalt des Zentrums investiert werden.”

BU1: Die 19 Wohnungen im ehemaligen Sudhaus auf dem Gelände der Alten Brauerei sind ein gutes Beispiel für die Arbeit von Ulrich Bunnemann
BU2: Das ehemalige Vorwärts-Gelände will der Architekt mit den Schelfbauhütten ebenfalls wiederbeleben, Fotos: maxpress

Text: Nele Reiber

Zurück