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(28.06.2019)

Hinter den Kulissen der Schweriner Feuerwehr in der Leitstelle geht es oft heiß her

Großer Dreesch • Bei Kreislaufproblemen, Verkehrs- oder Wildunfällen, Unwetterschäden, kleineren oder größeren Rauch-
entwicklungen bis hin zum Hausbrand gibt es in der Regel nur eine Möglichkeit: die 112 wählen! Innerhalb von wenigen Minuten rücken Feuerwehr oder Rettungsdienst aus und eilen zu Hilfe. In Schwerin, Ludwigslust-Parchim, Nordwestmecklenburg und Wismar kommen sie zusammen jährlich auf etwa 85.500 Einsätze, täglich sind es bis zu 300. Koordiniert wird das Ganze über die Leitstelle in der Schweriner Hauptwache.

„Das Telefon steht eigentlich nie still“, sagt Markus Holtz, stellvertretender Leiter der Leitstelle Westmecklenburg. „Immerhin sind wir für rund 7.000 Quadratkilometer und rund 500.000 Einwohner zuständig. Hinzu kommen etwa 50.000 Pendler und die Urlauber der Region.“ Die Leitstelle ist flächenmäßig die zweitgrößte Deutschlands. 40 Mitarbeiter organisieren von hier die Einsätze der zwei Berufsfeuerwehren in Schwerin und Wismar sowie von 328 Freiwilligen Feuerwehren in nahezu allen Gemeinden. „Für gewöhnlich sind hier vier bis acht Plätze gleichzeitig besetzt. Wenn wir aber zum Beispiel wissen, dass ein starker Sturm angekündigt wird, stocken wir dienstlich vorsichtshalber auf.“
Für die „Disponenten“ heißt es dann, ein Gespräch so lange wie nötig und so kurz wie möglich zu führen. Immerhin muss innerhalb weniger Sekunden entschieden werden, ob und welche Einsatzkräfte ausrücken müssen. „Wo befinde ich mich? Das ist die wichtigste Information, sodass wir doch noch helfen können, sollte die Verbindung abbrechen. Alles weitere erfragen unsere Kollegen dann.“
Verkehrsunfälle oder das „Essen im Topf“ gäbe es täglich. „Die Leute rufen aber auch bei der Katze auf dem Baum oder vermeintlich eingefrorenen Schwänen bei uns an. Oder sie verkaufen uns eine kleine Schnittwunde als abgetrennte Hand“, so Markus Holtz. Was viele an dieser Stelle nicht wissen: Das Gespräch wird aufgezeichnet und gespeichert, mit unterdrückter Nummer anzurufen ist nicht möglich und manche Einsätze können kostenpflichtig werden.
Doch nicht nur in der Leitstelle gilt es, nichts anbrennen zu lassen. Auch in der Fahrzeughalle, der Verwaltung oder der hauseigenen Rettungsdienstschule gibt es immer etwas zu tun. „Das ist alles natürlich sehr personal-
intensiv und wir brauchen spezialisierte Leute. Und das ist auch unsere größte Herausforderung“, sagt Dr. Stephan Jakobi, Leiter Fachdienst Feuerwehr und Rettungsdienst. „Derzeit sind wir 200 Mitarbeiter im Fachdienst Feuerwehr und Rettungsdienst, 20 Stellen sind unbesetzt. Wir freuen uns also immer über Nachwuchs.“

Feuerwehr hautnah erleben
Wer nun neugierig geworden ist und selbst mit dem Gedanken spielt, einmal bei der Feuerwehr arbeiten zu wollen, der sollte sich den 31. August schon mal rot in den Kalender eintragen. Dann nämlich öffnet die Hauptwache der Schweriner Feuerwehr in der Graf-Yorck-Straße 21 von 11 bis 17 Uhr ihre Tore, möchte mit allen Schwerinern ihr Jubiläum feiern und gewährt einen Blick hinter die Kulissen – zum Beispiel in der Leitstelle oder der Fahrzeughalle. Es gibt viele Mitmachstationen und auch für Verpflegung ist gesorgt. Vorbeikommen lohnt sich allemal!

Text: Marie-Luisa Lembcke

BU2: Markus Holtz (l.) bei einem Kollegen in der Leitstelle der Schweriner Hauptwache, Fotos: maxpress, Feuerwehr
BU3: Markus Holtz, stellv. Leiter der Leitstelle

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