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Ein Stück Geschichte
(02.08.2019)

Sommermuseum im Säulengebäude am Markt

Altstadt • Schwerin ist die älteste Stadt in Mecklenburg-Vorpommern. Und doch findet sich in der Landeshauptstadt kein stadtgeschichtliches Museum. Seit 2005 lagern rund 50.000 Exponate und ihre spannenden, lustigen aber auch traurigen Geschichten in einem Depot. Sie warten auf neue Ausstellungsräume – und so auch alle geschichtsinteressierten Schweriner. Mit dem leerstehenden Säulengebäude am Markt gibt es nun zumindest für sechs Wochen eine Gelegenheit, die Schmuckstücke aus Schwerins Vergangenheit wieder in Szene zu setzen. Und vielleicht ist das genau der Anstoß, den Schwerin in Sachen Geschichtsmuseum braucht?

„Als sich der Leerstand im Säulengebäude abzeichnete, hatte Jakob Schwichtenberg sofort die Idee, das als eine Möglichkeit zu nutzen”, so Dirk Kretzschmar, Leiter des Kulturbüros. Während der Sommermonate läuft die Ausschreibung für die zukünftige Nutzung des repräsentativen Hauses. Damit die Räume derweil nicht leer stehen müssen, will das Kulturbüro sie mit Leben – beziehungsweise mit Geschichte – füllen. Ein „Sommermuseum” mit den stadtgeschichtlichen Exponaten traf bei allen historischen Vereinen der Stadt auf offene Ohren. „An einem Sonnabend um 7 Uhr habe ich die Idee per Mail an unsere Kontakte rausgeschickt. Am Montag darauf hatte ich bereits 40 Zusagen von Menschen, die ehrenamtlich helfen würden. Inzwischen sind daraus 60 Freiwillige geworden”, zeigt sich Historiker Jakob Schwichtenberg beeindruckt. Am 18. August um 12 Uhr öffnet das Sommermuseum seine Tore. Von da an sind täglich zwischen 12 bis 17.30 Uhr Ehrenamtliche für die Fragen der Besucher da. „Derzeit planen wir das Rahmenprogramm. Wir arrangieren feste Führungen und freuen uns natürlich auch, wenn es vielleicht mit dem einen oder anderen kleinen Konzert oder ähnlichem klappt”, so Dirk Kretzschmar.
Da das spontane Projekt nicht im Haushaltsplan der Stadt berücksichtigt ist, benötigt das Kulturbüro neben freiwilligen Helfern vor allem Sponsoren und Spenden, um die Ausstellung in hoher Qualität durchführen zu können. Der Eintritt wird frei sein. Wer dennoch ein paar Taler als Obolus erübrigen kann, unterstützt damit die Stadtgeschichtliche Ausstellung nachhaltig. Es gibt eine Reihe sehr besonderer Exponate, die Restaurationen und Pflege brauchen.
Wie es nach der Ausstellung in dem Säulengebäude weiter geht, das wird die Ausschreibung der Landeshauptstadt zeigen. „Wir machen eine öffentliche Konzeptausschreibung. Jeder, der eine Idee für die Nutzung hat, kann sich melden und sagen, was für einen Mietpreis er sich für das Gebäude vorstellen kann”, sagt Baudezernent Bernd Nottebaum. Egal ob Gastronomie, Büros, Museum oder eine Mischung – jeder Vorschlag ist willkommen. Am Ende setzen sich Stadtverwaltung und die betroffenen Fachdienste zusammen und entscheiden darüber, welche Konzepte am besten zu Schwerin und zum Gebäude passen. „Wir werden natürlich auch die Fachausschüsse und den zuständigen Ortsbeirat informieren”, verspricht Bernd Nottebaum. Auch überregional will die Stadt Interessenten eine Chance geben.

Text: Nele Reiber

V. l.: Bernd Nottebaum, Jakob Schwichtenberg und Dirk Kretzschmar freuen sich, dass die Stadtgeschichtliche Ausstellung im Sommer übergangsweise ins Säulengebäude zieht
V. l.: Bernd Nottebaum, Jakob Schwichtenberg und Dirk Kretzschmar freuen sich, dass die Stadtgeschichtliche Ausstellung im Sommer übergangsweise ins Säulengebäude zieht, Foto: maxpress

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