Fernsehen in zweierlei Sinn: Der Schweriner Fernsehturm macht(e) es möglich

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Als Wahrzeichen Neu Zippendorfs, nein, ganz Schwerins, steht er da: Der Fernsehturm mit seinen 136 Metern Höhe. Noch lange bevor das Plattenbaugebiet Großer Dreesch 1971 entstand, begann man mit dem Aufbau einer Funksendestelle. Damals war der Standort noch Waldgebiet. 1957 starteten die Bauarbeiten, 1964 wurde der Fernsehturm eröffnet.

Doch nicht allein der von Günther Kollmann geplante Fernsehturm gehörte dazu – auch der 273 Meter hohe Stahlsendemast direkt neben dem Turm ragte in die Höhe. Er hatte schon seit 1957 den Deutschen Fernsehfunk und diverse UKW-Programme ausgestrahlt. Nun war das Richtfunknetz aufgebaut und die Ausstrahlung des zweiten Programms der DDR gesichert. Ein Verwaltungsgebäude gehörte ebenfalls zum Komplex.

Der Schweriner Fernsehturm hat – im Gegensatz zu vielen anderen Fernsehtürmen – keinen kreisrunden Querschnitt, sondern die Form eines Reuleaux-Dreiecks. Auch sein Turmkorb orientiert sich daran. Der Turm besteht aus Stahlbeton, sein 32 Meter hoher Antennenmast aus glasfaserverstärktem Polyester. Die Kanzel hat eine Verkleidung aus Aluminium erhalten. Sechs Techniketagen gehören zum Turm. Sie liegen in 75 bis 93 Metern Höhe. Die Maschinenräume sind 104,5 Meter über dem Boden untergebracht. In den Boden hinein ragt das Fundament bis zu 6 Meter tief. Es ist – je nach Bodentiefe – unterschiedlich stark und erreicht Durchmesser von 12,6 bis 26 Meter.

Wo heute leider nichts mehr los ist, tummelten sich ab dem 1. Juli 1964 viele Gäste. Der Fernsehturm barg nämlich nicht allein Sendetechnik, sondern eine Aussichtsplattform in mehr als 97 Metern Höhe. Darüber eröffnete damals das Café „Perle der Gastronomie“. Wer hier ein Getränk bestellte, musste schwindelfrei sein – und wurde dafür mit einem atemberaubenden Blick über ganz Schwerin belohnt. Schließlich ist der Fernsehturm insgesamt sogar höher als der neugotische Westturm des Schweriner Doms, und der ist immerhin der höchste Kirchturm Ostdeutschlands. Der Begriff „Fernseh“-Turm ist also durchaus zweideutig zu verstehen: Sendetechnik fürs Fernsehen und ferne Sicht über Wälder und Felder.

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Eine Förderung des Bundes soll den Fernsehturm zu neuem Leben erwecken

Nach der Wende lag der Funkbetrieb nicht mehr in den Händen der Deutschen Post der DDR, sondern in denen der Deutschen Bundespost. Sanierungen am Bau und an der Technik waren notwendig geworden, weshalb das Café zwischen 1990 und 1999 vorübergehend geschlossen war. 2017 machte es dann endgültig zu, aus wirtschaftlichen Gründen. Seitdem ist der Fernsehturm nicht mehr für Besucher geöffnet. Die Funkturm-Gesellschaft, die heute Betreiber ist, hat seitdem keinen neuen Pächter für das Café finden können.

Es gibt aber Lichtblicke. Im November 2019 sind die Weichen für eine Bundesförderung des Schweriner Fernsehturms gestellt worden. Sie soll die dauerhafte Wiedereröffnung des Denkmals als touristisches Ausflugsziel ermöglichen. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat eine Förderung in Höhe von 500.000 Euro aus dem Kulturetat bestätigt.
Die Mittel stammen aus einem Programm, mit dem sich der Bund an der Sanierung von national bedeutsamen Denkmälern in ganz Deutschland beteiligt. Der positive Bescheid ist ein Meilenstein für den Schweriner Fernsehturm. Zusätzlich beraten die Gremien der Stadtvertretung über eine kommunale Förderung in derselben Höhe. Mit dem Geld für die Sanierung können die Fenster und der Fahrstuhl ausgetauscht, die Dämmung für Decken und Wände erneuert und eine Neuinstallation der Trinkwasser- und Sanitäranlagen vorgenommen werden. Auch die Klima- und Lüftungsanlage sollen ausgetauscht werden.

Die Aussichten für eine Wieder-Aussicht vom Fernsehturm aus sind also erstmal gut. Die Stadt verspricht sich davon die Erhaltung eines Wahrzeichens, aber auch eine Bereicherung für Schwerin in Sachen Gastronomie, Kunst, Kultur oder als Stadtteiltreff.

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Fotos: maxpress