Von Pomeranzen und Frühblühern
(27.03.2019)

Die Kostbarkeiten des Burggartens

hauspost-Schlossgeschichte 04/19

Schlossgärtner Ralph Schmalz wird nicht erst aktiv wenn das Frühjahr vor der Tür steht.

Schon im Herbst brachten er und seine drei Kollegen rund 6.000 Zwiebeln von Frühblühern in die Erde des Burggartens. Und Anfang April folgen weitere 8.000 Pflanzen. Dann bringen Stiefmütterchen, Primeln, Vergissmeinnicht und Ackelei Farbe auf die Schlossinsel. Schließlich soll zu Ostern, wenn die Gartensaison beginnt, alles schick und schön sein für die Besucher aus dem Inn- und Ausland. Dann leuchtet nicht nur das Schloss goldgelb im Licht der Frühjahrssonne, sondern auch die Beete und Anlagen glänzen mit ihren Farben.

Doch es gibt noch viel mehr zu tun. 280 Kübelpflanzen warten in der Orangerie darauf, wieder hinaus in den Burggarten zu kommen. Zu Zeiten des Großherzogs waren es jedoch deutlich mehr. Damals gehörten 850 teilweise exotische Kübelpflanzen zur gärtnerischen Ausstattung des Burggartens. Die Citrusfrüchte ließ man eigens aus Italien holen. Einige davon stehen noch heute in der Orangerie.

Die Pomeranzen tragen schon Früchte und die ersten Kübelpflanzen bilden Blüten. Besonders stolz ist Schlossgärtner Ralph Schmalz auf eine „Türkische Orange“. Diese Pflanze ist ein Geschenk aus Schloss Schönbrunn in Wien. Heimo Karner vom Arbeitskreis Orangerien hat den Schwerinern diesen Kübel bei einem Besuch geschenkt. „Wir sind da immer mal wieder im Austausch mit anderen Gärten”, erzählt Ralph Schmalz. „Einige Pflanzen stammen beispielsweise aus Charlottenburg.“

Derweil sind die Mitarbeiter noch fleißig am Aufarbeiten, denn alle weißen Gartenbänke wurden in diesem Winter abgeschliffen und erhielten einen neuen Anstrich. Malte Fellechner und Mandy Joost sind noch fleißig bei den Malerarbeiten im Weinlaubsaal dabei. Wenn die Fröste dann vorbei sind kommen auch die Kübel wieder in den Burggarten. Und in Erinnerung an die Bundesgartenschau 2009 werden in diesem Jahr erstmals auch wieder Kübelpflanzen auf der großen Freitreppe vor dem Hauptturm aufgestellt.

Links und rechts davon befinden sich die 45 Rebstöcke. Rotwein der Sorte „Regent“ und Weißwein der Sorte „Phönix“ wurden hier angebaut. Sie dienen vor allem der Erbauung der Besucher und werden von den Staren mit Hingabe verzehrt sowie die Trauben reif sind. Historisch gesehen wurde am Mecklenburgischen Hof Wein nur für die Tafel nicht für die Weinherstellung angebaut. Im Küchengarten befindet sich zudem ein mehr als 100 Jahre alter Rebstock.

Zu den Frühjahrsarbeiten gehört auch das Düngen der Rasenflächen und der Gewächse und Blumen. Ganz besonders stolz ist man auf die historischen Rosen am „Collonadenhof“ und an der „Rosenlaube“. „Es sind Nachzüchtungen aus dem 19. Jahrhundert”, erklärt Schlossgärtner Ralph Schmalz, der seit 13 Jahren für den Landtag als Gärtnermeister im Fachbereich Gartenlandschaftsbau tätig ist. Er ist mit seinen Mitarbeitern und den Aushilfen von den Dreeescher Werkstätten nur für den Burggarten zuständig.

Der letzte Großherzog Friedrich Franz IV. beschäftigte noch 36 Gärtner. Allerdings mussten die auch den gesamten Schlosspark mit betreuen. Der hat sein heutiges Aussehen übrigens im 19. Jahrhundert nach Entwürfen von Hofgärtnermeister Theodor Klett (1808 – 1879) erhalten. Klett wiederum verarbeitete auch Anregungen von Gottfried Semper, Adolf Demmler und Peter Joseph Lenné.

Ganz besonders im Sommer bleiben viele Besucher bei den Hochstammrosen stehen und genießen den Duft und die herrlichen Namen. Mme Vietour Verdier (1863), President de Se´ze (1836), Prince Noir (1854) oder Sidonie (1847). Im Mai kommt dann auch die Sommerbepflanzung in die Beete. Dann werden auch im Innenhof der Orangerie die Beetrosen umgelegt damit sie nicht in die Höhe wachsen. Gärtnerin Elke Schröder zeigt schon mal wie das gemacht wird.

Die Wechselbepflanzung der Beete erfolgt nicht nach barocken Vorbildern sondern monoton. Das heißt einfarbige Kompositionen werden von den Gärtnern gewählt. Eine wahre Kostbarkeit im Burggarten ist die circa 180 Jahre alte Hängebuche gleich am Eingang des Parks. Dieser Baum ist zweitriebig, wie der Gärtner sagt. Ein Baum, zwei Triebe die dann in der Höhe biologisch wieder gekreuzt wurden. Es gibt in ganz Deutschland nur noch zwei weiterer solcher Exemplare. Leider ist die Hängebuche von einem Pils befallen und braucht daher besondere Pflege. Doch noch werden sich die Besucher des Burggartens an dem riesigen Kronendach erfreuen können.

Text und Fotos: Norbert Bosse

Was tut sich hinter den Gemäuern und wo lässt sich noch heute Interessantes aus vergangene Zeiten entdecken? Wie gut kennen wir „unser Schloss“? Im Gewinnspieljahr 2019 gibt die hauspost Antworten auf diese Fragen. Und im April gibt es für die Frühjahrsgestaltung des eigenen Gartens zwei Gutscheine im Wert von je 25 Euro für die Baumschule Ludwig zu gewinnen.

Die Gewinnspielfrage lautete: Woher stammt die „Türkische Orange“ die als Kübelpflanze in der Orangerie überwintert hat?

Dieses Gewinnspiel ist beendet.
Das Lösungswort lautet: Aus Schloss Schönbrunn in Wien

Gewonnen haben:
G. Brüning, G. Hagenstein

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