Der Teepavillon erhält im neuen Glanz
(31.05.2019)

Vom Hühnerstall zum kleinen Kaffeestübchen

hauspost-Schlossgeschichte 06/19

Wer das Schweriner Schloss schon einmal umrundet und sich die herzöglichen Mauern, Zinnen und Türme angeschaut hat, der hat ihn bestimmt schon einmal gesehen. Ein wenig unscheinbar reiht sich der kleine Teepavillon in das Schlossensemble ein. Aktuell bekommt er eine kleine Schönheitskur und soll dann im neuen Glanz erstrahlen.

Nutzer des Teepavillons und des dazugehörigen kleinen Gartens ist der Landtag. Sie wollen das architektonische Kleinod für repräsentative Anlässe und für den Empfang besondere Gäste nutzen. Dabei ist die Geschichte dieses Teepavillons sehr wechselhaft. Im 18. Jahrhundert entstand die Zeichnungen für den Lustpavillon. Wobei die Bedeutung des Wortes damals eine andere war als heute. Es gehörte zum höfischen Leben zu „lustwandeln” und an verschiedenen besonderen Orten auf der Schlossinsel zu verweilen und es sich gut gehen zu lassen. Der Teepavillon bot dazu noch Ruhe und Abgeschiedenheit, denn er befindet sich hinter hohen Mauern und kann nur durch den Vorhof am Haupteingang des Schlosses erreicht werden.

Schlossbaumeister Georg Adolf Demmler hat die Gestaltung dann später im Zuge der Umbauarbeiten des Schosses angepasst. Nach der Abdankung des Großherzogs 1918 stand der Pavillon leer, erzählt die Architektin Anna-Katharina Zülch (Foto 2). In den Analen sei nachzulesen, dass in den 30er Jahren dort Wäscheleinen gespannt waren und für 1951 ist nachzuweisen, das dort ein Hühnerstall untergebracht war. Später in den 60er Jahren gab es dann die Idee ein Park-Café einzurichten. Diese wurde aber nie umgesetzt, so die Architektin.

Die Gestaltung des Pavillons entspricht farblich der des gesamten Schlossensembles.
Hohe Fenster, zwei große Wappenschilde und auf dem Dach ein goldener Samowar. Im Inneren gab es eine schlichte Ausmalung und Darstellungen von grünen Ranken und Blättern. „Man wollte das Grün des Gartens auch nach innen holen und sozusagen in einer Laube sitzen”, berichtet Anna Katharina Zülch.

Einige Reste der Bemalung sind noch zu finden. Der Fußboden war mit Marmor ausgelegt. Auf der Treppe vor dem Teepavillon waren links und rechts je zwei kleine Skulpturen aufgestellt. Die sogenannten „Jahreszeitenkinder“. Sie stellten wie der Name sagt, die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter da. „Die Originale sind im Schlossmuseum zu sehen und werden dort auch verbleiben. Ihr Zustand lässt eine Aufstellung im Freien nicht mehr zu”, so die Architektin. Für den Pavillon werden Rekonstruktionen der „Jahreszeitenkinder“ angefertigt. Da eine Skulptur wohl zerstört oder entwendet wurde, soll durch einen Künstler eine neue angefertigt werden. Hierzu erfolgt eine Ausschreibung.

Hinter einem kleinen Detail unterhalb des Wappenschildes verbirgt sich noch eine ganz besondere Geschichte. Dort ist ein kleiner Elefant zu sehen. Er ist nur aus der Nähe wirklich erkennbar. „Diese Darstellung ist ein Hinweis auf den Dänischen Elefantenorden”, weiß Anna-Katharina Zülch zu berichten. „Jener Orden gilt als der höchste und älteste Ritterorden Dänemarks und stammt ursprünglich aus dem 15. Jahrhundert.” Der Elefant galt in jener Zeit als Sinnbild der Weisheit. Nur wenige Deutsche Fürsten erhielten den Elefantenorden. Der Mecklenburgische Herzog Friedrich der Fromme (1717 bis 1785) gehörte dazu.

Vor allem regierende Herrscher und Staatsführer erhielten und erhalten bis heute diesen Orden. Königin Elisabeth, Nelson Mandela und Winston Churchill zählen zu den Ausgezeichneten. Tragen darf diesen Ritterorden nur, wer vorher bereits den dänischen Verdienstorden „Dannebrog“ erhalten hat. Der Elefantenorden wird auch heute noch durch die dänische Königin verliehen. Der „Dannebrog“ ist eine der ältesten Flaggen der Welt.

Text und Fotos: Norbert Bosse

Was tut sich hinter den Gemäuern und wo lässt sich noch heute Interessantes aus vergangenen Zeiten entdecken? Wie gut kennen wir „unser Schloss“? Im Gewinnspieljahr 2019 gibt die hauspost Antworten auf diese Fragen. Und im Juni gibt es 1x2 Gutscheine für die Schweriner Schlosslokalitäten in Wert von je 50 Euro zu gewinnen.

Lösung: Herzog Friedrich der Fromme

Dieses Gewinnspiel ist leider beendet.


Gewonnen haben:
K. H. Peters
D. Lau

Zurück