Semper und andere Baumeister
(30.09.2019)

Wie das Schweriner Schloss zu einem kolossalen Monumentalbau wurde

hauspost-Schlossgeschichte 10/19

Als Friedrich Franz II. Großherzog von Mecklenburg Schwerin 1842 die Regierungsgeschäfte übernahm, beschäftigte er sich umgehend mit dem Umbau des alten Schlosses zu einem neuen modernen und zeitgemäßen repräsentativen Amtssitz.

Zunächst wurde Hofbaurat Georg Adolph Demmler mit den Entwürfen betraut. Der wiederum arbeitete mit dem Baukondukteur Hermann Willebrand zusammen. Großherzog Friedrich Franz II. hatte Demmler und Willebrand eigens wegen des Schlossumbaus auf Studienreisen nach England und Frankreich geschickt. Sie besuchten unter anderem die Schlösser der Loire. Der so entstandene Entwurf fiel jedoch beim Großherzog durch.
Beim zweiten Entwurf sollte Demmler sich an Arbeiten des Baumeisters Ghert Evert Piloot orientieren. Dieser Entwurf wurde allerdings vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. als scheußlich bezeichnet. Der preußische König pflegte enge Beziehungen zum Schweriner Hof und betätigte sich selbst nebenbei gern als Architekt. Und so empfahl er Großherzog Friedrich Franz II., sich nach einem anderen Baumeister umzusehen. Die Wahl fiel auf Gottfried Semper (Foto 2), der für den sächsischen Hof tätig war.

Friedrich Franz II. kannte seinen Namen aus der Zeit, als er in Dresden als Zögling an der Blochmannschen Erziehungsanstalt weilte. Zu jener Zeit entstand dort das Hoftheater nach Plänen von Semper. Für Semper selber waren die Planungen am Schweriner Schloss nur ein kurzer Ausflug und dennoch hinterließ er Spuren und Bemerkenswertes ist überliefert. Dirk Handorf (Foto 1) vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege verweist auf Äußerungen von Gottfried Semper bezüglich der Erhaltung der historischen Bausubstanz. „Heute würde man sagen er war ein ganz bewusster Denkmalschützer. Es hieß, man möge darauf achten, dass die architektonische Sprache der Geschichte nicht verfälscht werde”, so Dirk Handorf.
Mit seinen Entwürfen sorgte Gottfried Semper schließlich dafür, dass die ins Stocken geratenen Planungen voran kamen und der „gordische Knoten“ sozusagen durchschlagen wurden.
Einige Änderungen waren aber von Nöten. So wurde der Haupteingang des Schlosses von der Ostseite hin zur Stadt verlegt. Auf diese Weise entstand eine gerade Achse aus der Stadt hinaus in Richtung Herrschersitz und der Großherzog und seine Gäste konnten direkt auf das Schloss zufahren und auch auf direktem Wege auf die Schlossinsel gelangen.
„Während Sempers Pläne ein authentisches Denkmal erhalten wollten, gingen Demmlers Planungen doch in Richtung eines damals idealisierten Denkmals“, sagt Dirk Handorf vom Landesamt.

Doch auch andere Baumeister machten sich im Rahmen des Schlossumbaus einen Namen. Friedrich August Stüler sorgte für imperiale Größe, indem er die goldene Kuppel mit dem Erzengel Michael aufs Schloss setzte und später dann auch die Pläne für die – noch heute bei den Besuchern sehr beliebte – Orangerie erstellte.

„Dass es auch Querverbindungen zum Kölner Dom gibt, ist nur den wenigsten Leuten bekannt”, berichtet Dirk Handorf. „Köln war ja damals Preußische Provinz. Und somit hatte Friedrich Wilhelm IV., der auch der Onkel des Großherzogs war, unmittelbaren Zugriff auf den Dombaumeister am Rhein.” Ernst-Friedrich Zwirner schuf so die Planungen für den Choranbau aus Naturstein in der Schlosskirche. „Dieser ähnelt einer Chorkapelle im Kölner Dom schon sehr.”

Links neben dem Hauptturm an der Seeseite befindet sich das sogenannte „Bischofshaus“. Das wurde erhalten und in die Gesamtplanungen mit einbezogen. Noch heute sind an der Fassade die Bildnisse von großen Männern, Sultanen, Königen und Päpsten zu sehen.

Rechts neben dem Turm befindet sich das „Lange Haus“ (Foto 4). Auch dieser Gebäudeteil wurde erhalten und in das Gesamtkonzept integriert. Heute nicht mehr vorhanden ist das „Maurische Bad“. Carl von Diebitsch fertigte Pläne für einen Salon mit einem Bad an. Dieses konnte bei Bedarf so hergerichtet werden, dass es der maurischen Kultur entsprach. Carl von Diebitsch studierte an der Schinkell´schen Bauakademie in Berlin und unternahm Studienreisen nach Italien, Frankreich, Algerien und nach Spanien. In Granada besuchter er die berühmte „Alhambra“ und entdeckte für sich den maurischen Baustil. Von ihm stammen die Entwürfe für das türkische Bad auf Schloss Albrechtsberg in Dresden und für ein maurisches Kabinett im Schloss Belvedere auf dem Pfingstberg in Potsdam.

„Der sowohl anmutige wie kolossale Monumentalbau von Schloss Schwerin, auf einer Insel gelegen und umgeben von einer beeindruckenden Gartenanlage, gehört zu den bedeutendsten Profanbauten der Neorenaissance aus der Zeit des Historismus.“ Dies schrieb Kornelia von Berswordt-Wallrabe in ihrem Vorwort des Buches „Schloss Schwerin: Inszenierte Geschichte in Mecklenburg“ aus dem Jahr 2008.

Text und Fotos: Norbert Bosse

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Die Gewinnspielfrage lautete: Auf wen gehen die Planungen für den Choranbau in der Schlosskirche zurück?

Lösung: Ernst-Friedrich Zwirner

Dieses Gewinnspiel ist leider beendet.


Gewonnen haben T. Jackholt, K. Ruppin, C. Müller und M. Schaal.

Herzlichen Glückwunsch!

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