„Geländerkinder“ mit echtem Vorbild
(03.05.2019)

Wohlgenährte Kinder repräsentieren die Glanzzeit des Herzogs

hauspost-Schlossgeschichte 05/19

Seit 2018 begrüßen die steinernen Figuren zweier Jungen den Besucher wieder am Kirchgang im Schlossinnenhof. Hier standen sie schon zu Zeiten von Großherzog Friedrich Franz II. Der Sage nach bilden sie seine beiden älteren Söhne ab. „Doch einen Beweis dafür gibt es bis heute nicht“, erzählt Inga Schreiber, Referatsleiterin in der Landtagsverwaltung. Eine ungewisse Identität haben die Beiden also – eines aber ist sicher: Es liegen nicht nur Glanzzeiten hinter ihnen und den 18 weiteren Kinderstatuen.
Denn zur Ära der DDR wurden die Figuren erst zurück an die Schlosswand gesetzt, später ganz abgenommen und eingelagert – nicht unbedingt sachgemäß. Das hat Spuren hinterlassen, wie eine Bestandsaufnahme 2013 zeigte: Es gab Risse in den Füßen und abgebrochene Finger, einige Teile waren gänzlich verschwunden. Dennoch: Die Figuren sollten wieder an ihren angestammten Platz. Dafür war der Betrieb für Bau und Liegenschaften MV (BBL) und das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg Vorpommern (LAKD) zuständig. Sie haben die Figuren restauriert und das Geländer möglichst original nachkonstruiert. Seit rund einem Jahr strahlen die steinernen Jungen jetzt wieder in neuer Pracht am althergebrachten Platz am Kirchgang.

Warum Großherzog Friedrich Franz II. genau diesen ausgewählt hat, weiß die zuständige Architektin für viele Restaurierungsarbeiten am Schloss, Anna Katharina Zülch aus Hamburg. „Es war die gegenüberliegende Seite des Goldenen Saals, der repräsentativen Zimmer und der Gästegemächer des Schlosses. Wenn also Besucher des Herrschers aus ihren Fenstern blickten, sollten sie eine prächtige Ansicht genießen können.“ Dass diese aus Kinderfiguren in höfischer Tracht bestand, war um 1820 einfach in Mode gekommen. Darum hatte Hofbaurat Demmler den Vorschlag zu den Geländerkindern gemacht. Sie waren stets wohlgenährt und standesgemäß gekleidet. Damals wie heute wurden sie allesamt lebensgroß als Jungenpaare aufgestellt und halten in einer Hand – wie es in der Festschrift von 1869 heißt – einen „mit mittelalterlichem Helme gekrönten Schild, auf welchem ein verschlungenes FF, die Namens-Chiffre des Großherzogs, mit der Krone angebracht ist.“

Die Geländerkinder sind übrigens nicht die einzigen Skulpturen im Schloss. Über dem Jungenpaar sieht der Besucher zum Beispiel zwei frisch restaurierte Frauen-Statuen. Am Hauptturm stehen die sogenannten Wirtschaftskinder, die jeweils Berufe darstellen sollen. Und am Teepavillon gibt es die Jahreszeitenkinder. 34 Skulpturen bilden das Gesamtensemble – und das blickt nun wieder in den Innenhof des Schweriner Schlosses.

Text und Fotos: Norbert Bosse

Was tut sich hinter den Gemäuern und wo lässt sich noch heute Interessantes aus vergangenen Zeiten entdecken? Wie gut kennen wir „unser Schloss“? Im Gewinnspieljahr 2019 gibt die hauspost Antworten auf diese Fragen. Und im März gibt es 1x2 Freikarten für das David Garrett-Konzert am 22. Mai in Schwerin zu gewinnen.

Die Gewinnspielfrage lautete: In welchem Jahr erfolgte die Bestandsaufnahme der Kinderfiguren im Rahmen der Restaurierung?
Lösung: 2013

Dieses Gewinnspiel ist leider beendet.


Gewonnen hat:
J. Denzer

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