Ein Erzengel in Gold
(31.07.2019)

Der Schutzpatron der Deutschen wacht über dem Schweriner Schloss

hauspost-Schlossgeschichte 08/19

Schwerin • In der biblischen Überlieferung gibt es insgesamt vier Erzengel: Raphael, Gabriel, Uriel und eben den bedeutendsten, den heiligen Michael.

Bei der Neugestaltung des Schweriner Schlosses hat der Architekt Friedrich August Stüler dem Erzengel Michael einen ganz besonderen Platz eingeräumt. Die Plastik ist nämlich so auf der goldenen Kuppel des Herzöglichen Ensembles aufgestellt, das der Engel als Hüter des Glaubens über dem Fürst Niklot in Form des Reiterstandbildes steht. Damit sollte die Frömmigkeit des Hauses Mecklenburg zum Ausdruck gebracht werden.

„Fast alles was die Architekten am und auf dem Schloss platziert haben, hat eine symbolische Bedeutung”, erzählt Anette Schwarz (Foto 1) von der Landtagsverwaltung. So sollte der heilige St. Michael das Böse abwenden und das Schloss und seine Bewohner beschützen. Äußerlich wird das dadurch deutlich, das Michael ein goldenes Kreuz vor sich trägt und in Richtung der Stadt blickt. Sein Schwert, das zur Figur des heiligen Michael dazu gehört, trägt er am Gürtel.

Besonders beeindruckend ist natürlich der Standort hoch oben auf der goldenen Kuppel. Im Jahre 1990 wurden die Kuppel und die Statue des heiligen St. Michael neu vergoldet. Insgesamt 2,3 Kilogramm Blattgold würden für die Prunkkuppel und weitere kleine Türme verarbeitet. Friedrich August Stüler hat damit auch preußische Eleganz und imperiale Machtdarstellung in Schwerin zeigen wollen. Schließlich der Architekt in Diensten des deutschen Kaisers und zeichnete unter anderem für Entwürfe auf der Berliner Museumsinsel, in Potsdam und für das Schloss der Hohenzollern mit verantwortlich.

Kaiser Wilhelm II. unterstütze auch finanziell die Umbauarbeiten am Schweriner Schloss und der Hof hatte eigens auch eine Wohnung für den Kaiser im Schloss eingerichtet. Daher ließ es sich der auch nicht nehmen, hin und wieder in Schwerin nach dem Rechten zu sehen, und verfolgte sehr aufmerksam die Umbauarbeiten. So dauerte es zu Beginn allein 33 Wochen, um altes Mauerwerk abzutragen. Und die sparsamen Mecklenburger Fürsten ließen die alten Mauersteine von Mörtel befreien und verwendeten sie für den Umbau. Rund 1,5 Millionen Mauersteine konnten so wiederverwendet werden.

Um den Gesamteindruck des Schlosses nicht einzuschränken, wurde die Brücke vor dem Schloss tiefer gebaut, so dass keine Schiffe durchfahren konnten. Nichts sollte den Blick auf den Herschersitz trüben oder stören. Und über allem wachte der heilige St. Michael.

Der Erzengel ist übrigens auch der Schutzpatron einiger Städte wie Jena oder Brüssel. Und er gilt verschiedenen Berufsständen als Schutzheiliger: etwa den Bäckern, den Apothekern, den Schneidern und den Vergoldern.

Text und Fotos: Norbert Bosse

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Die Gewinnspielfrage lautete: Wieviel Kilogramm Blattgold wurden für die Prunkkuppel und weitere kleine Türme verarbeitet?
Lösung: 2,3 Kilogramm

Dieses Gewinnspiel ist leider beendet.


Gewonnen haben:
M. Rutz
B. Deutsch

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