Der Schlossbrand von 1913 bereitet noch heute Sorgen
(01.01.2019)

Der alte Plenarsaal des Landtages soll saniert werden

hauspost-Schlossgeschichte 01/19

Das Schweriner Schloss ist für viele Touristen die Top-Sehenswürdigkeit während ihres Besuchs in der Landeshauptstadt. Und auch für Einheimische gehört das märchenhafte Bauwerk zum Stadtbild – zum Zuhause – einfach dazu. Für Armin Tebben (Foto 2) ist das Schloss tatsächlich wie ein zweites Zuhause, denn seit 18 Jahren ist er Direktor des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern und damit Chef der Parlamentsverwaltung. Zu seinen aktuellen Projekten zählt auch eines der größten Bauvorhaben im Schweriner Schloss: der Rückbau und die Sanierung des alten Plenarsaals.

2017 wurde mit dem Rückbau des alten Plenarsaals begonnen. Wenn alles gut geht, sollen in zwei Jahren die neuen Räume der Landespressekonferenz, der moderne Tagungsbereich und der Wappensaal in Betrieb genommen werden. Doch es gab viele Überraschungen für die Bausachverständigen. „Alles, was ich sehe, ist Gebrösel”, so einer der Fachleute. Diese Tatsache macht Armin Tebben noch heute fassungslos. Schließlich arbeitet ein komplettes Landesparlament im Schloss; dazu noch das Museum und die tausenden Besucher. Der Schlossbrand von 1913 hat Spätfolgen hinterlassen, denn eine fachgerechte gründliche Sanierung gab es damals nicht – vermutlich aus Kostengründen.
Außerdem wurden nicht alle Schäden gründlich erfasst und analysiert. Für einige Reparaturen wurden lediglich Behelfsmaterialien verwendet.
Das bereitet der Parlamentsverwaltung noch heute große Sorgen. Dazu kommt, dass der riesige Raum auch zu Herzogszeiten nie ganz fertig gestellt wurde. Geplant war der Raum als Bankettsaal für Empfänge und festliche Essen. Doch dazu kam es nicht mehr – 1918 mussten alle deutschen Fürsten abdanken und das Projekt wurde nie vollendet.

Schließlich tagte der erste Landtag Mecklenburgs in diesem Teil des Schlosses. Doch mit der Bildung der drei Nordbezirke zu DDR-Zeiten war damit dann auch wieder Schluss. Was folgte, war die Staatsdoktrin von Partei und Regierung. Einen demokratischen und lebendigen Landtag wie heute gab es nicht.
Nach der Wende zog der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern in das Provisorium. „Erst einmal waren andere Projekte wichtiger”, so Landtagsdirektor Armin Tebben. Die Arbeitsbedingungen für die Landtagsabgeordneten, der Erhalt des Schlosses insgesamt und der Aufbau einer modernen Parlamentsverwaltung hatten erste Priorität.
Im Herbst 2017 war es schließlich soweit. Der neue Plenarsaal wurde durch das Parlament in seinen Besitz genommen. Er befindet sich im Bereich des ausgebrannten goldenen Saals. Jetzt konnte sich die Parlamentsverwaltung an die Umsetzung der Beschlüsse zur Sanierung des alten Plenarsaals machen.
Damit begannen sogleich auch die Überraschungen: Kaputtes Mauerwerk, Behelfskonstruktionen und Brandschäden, die nie fachgerecht behoben wurden, zeigten sich. „Wir hoffen, dass wir bald mit den Umbauarbeiten beginnen können. Zur Zeit ist der alte Saal Baustelle und natürlich für Besucher gesperrt”, so Armin Tebben. Alte Propagandaschriften aus DDR-Zeiten sind noch sichtbar, genauso wie marodes Mauerwerk. Wenn der Landtagsdirektor auf „seiner Baustelle“ unterwegs ist und Besuchern die Probleme und Schwierigkeiten erklärt, merkt jeder sofort, wie sehr er gerade für dieses Vorhaben brennt.

Die Versorgung der Baustellen im Schloss geschieht übrigens über Gerüstkonstruktionen von außen. „Das bedeutet, dass zum Beispiel der Abtransport von Bauschutt des alten Plenarsaals nicht durch die Innenräume erfolgt. Gleiches gilt für das Heranschaffen von Materialien und technischen Ausrüstungen. Diese werden über einen Lastenaufzug an der Schlossfassade und mittels Hebetechnik ermöglicht. Auf diese Lösung sind wir ziemlich stolz. Dadurch werde der Parlamentsbetrieb nur sehr gering gestört.”, so der Direktor. Außerdem werde dadurch der Parlaments- und Museumsbetrieb nur geringfügig gestört. Allerdings verlange dieses Vorgehen von den Bauleuten wiederum viel Verständnis und Akzeptanz für den Landtag. Als Dankeschön dafür gab es ein sogenanntes Bauarbeiterfrühstück. Dabei konnten die Bauleute alle Verantwortlichen im Parlament kennenlernen und natürlich auch umgekehrt. „Jetzt grüßen wir uns immer, auch wenn wir uns in der Stadt sehen”, freut sich Armin Tebben.

Wenn alles klappt, sind die neuen Räume bis 2021 fertig. Und dann wäre auch endgültig ein Provisorium im Schweriner Schloss beseitigt, das es seit Großherzog Friedrich Franz IV. gibt. Armin Tebben ist aber schon heute sehr stolz, denn dass der Sitz eines Landtages in einem Schloss anzufinden ist, ist in der Bundesrepublik immerhin einmalig.


Was tut sich hinter den Gemäuern und wo lässt sich noch heute Interessantes aus vergangene Zeiten entdecken? Wie gut kennen wir „unser Schloss“? Im Gewinnspieljahr 2019 gibt die hauspost Antworten auf diese Fragen. Und im Januar gibt es eine exklusive Führung für zwei Personen durch die Kellerräume und über die Dächer des Schweriner Schlosses zu gewinnen. Armin Tebben wird die glücklichen Gewinner begrüßen und obendrauf gibt es den traditionellen Jahreskalender des Landtages MV für 2019.

Die Gewinnspielfrage lautete: In welchem Jahr mussten alle deutschen Fürsten abdanken?
Lösung: 1918

Dieses Gewinnspiel ist leider beendet.


Text und Fotos: Norbert Bosse

Zurück