Der Kalligraf im Landtag
(28.02.2019)

Erinnerungen an Kanzler und Könige

hauspost-Schlossgeschichte 03/19

Zu den guten Sitten im Schweriner Schloss gehört, dass sich hochrangige Besucher in das Gästebuch des Landtages eintragen. Könige, Kanzlerinnen, Botschafter und Diplomaten haben sich in Schwerin schon mit ihrem Namenszug verewigt.
Wie könnte es in Mecklenburg anders sein: Es ist kein goldenes sondern ein einfaches und schlichtes, aber dennoch edles Gästebuch, das der Landtag führt. Die prominenten Gäste schreiben meist nur kurz ihren Namen unter einen vorgefertigten Text.


Und eben dieser Text wird von einem Kalligrafen gezeichnet. Seit 28 Jahren bereitet Heinz Kippnick aus Schwerin die Einträge für das Gästebuch des Landtages vor. Allerdings ist der Gebrauchsgrafiker kein gebürtiger Schweriner. Er ist 1928 in Ostpreußen als Kind einer Fischerfamilie auf die Welt gekommen. „Einige in meiner Familie nehmen mir bis heute übel, dass ich nicht in die Fußstapfen meines Vaters getreten bin”, erzählt der rüstige Rentner.


Schon als Kind nahm der kleine Heinz gerne den Zeichenstift in die Hand und hatte wohl auch Talent. Nach vielen Enttäuschungen fand er nach dem zweiten Weltkrieg eine Lehrstelle als Reklamezeichner bei der Firma Lange & Böttcher in Schwerin. Später dann kam er bei einer städtischen Werbefirma unter – das Wort Marketing gab es noch nicht. Hier malte der junge Mann nun Transparente für den Sieg des Sozialismus, Werbeschilder für den KONSUM und gestaltete für die Handelsorganisation HO Musterschaufenster für ganz Mecklenburg. Schon bald wurde sein eigentliches  Talent erkannt und es folgten immer anspruchsvollere Aufträge.

Heinz Kippnick arbeitete dann als Gebrauchsgrafiker für die Ernährungsindustrie.
Später wurde er sogar im Künstlerbund der DDR aufgenommen. Zu seiner Generation gehörten auch  solche Künstler wie Horst Schmedemann aus Warsow oder Lothar Scholz aus Boizenburg /Elbe. Vieles von dem was er entworfen hat hängt noch heute in seinem Atelier im zehnten Stock im Hochhaus am Dreescher Markt. So schuf Heinz Kippnick die Plakate für die Arbeiterfestspiele und für das legendäre Schweriner Pressefest, zum dem damals über 100.000 Besucher  in die Bezirkshauptstadt Schwerin kamen.


Besonders schätzen seine Auftraggeber seine ausgezeichnete Schrift , die Art und Weise wie er Zeilen setzte und frei aus sich heraus Sätze und Wörter in Schönschrift verewigt. „Eigentlich habe ich eine Sauklaue”, so seine Meinung dazu, „aber am  Zeichentisch klappt es dann immer, auch heute noch.” So gestaltete er 1994 den Text im Gästebuch des Landtages für Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl. Vier Jahre später dann für Gerhard Schröder und auch König Carl XVI. Gustav und ihre Majestät Königin Silvia von Schweden zeichneten unter seinem Text ihre Namen.

Wer das Glück hat mit in das Atelier des Künstler hinaufsteigen zu dürfen , der sieht aber weit mehr als schöne Schriften und Werbeplakate. Heinz Kippnick ist auch eine Art Heraldiker, also Wappenkünstler. So findet der interessierte Besucher Dutzende von Entwürfen und Zeichnungen für Gemeinden, Städte oder Familien. So wundert es auch nicht, dass er  für sich ein eigenes Wappen entworfen hat. Und hier dürfte dann auch seine Familie wieder mit ihm versöhnt sein. Neben Harnisch und Wappenschild finden sich zwei Fische im Kippnicksche Wappen. Eine Erinnerung an seine Ostpreussische Herkunft.

Heute ist Heinz Kippnick 91 Jahre alt und das Gästebuch braucht er nicht im Landtag abzuholen. Es wird ihm gebracht. Und solange das so ist will er auch weiter machen, mit Kanzlern und Königinnen.

Was tut sich hinter den Gemäuern und wo lässt sich noch heute Interessantes aus vergangene Zeiten entdecken? Wie gut kennen wir „unser Schloss“? Im Gewinnspieljahr 2019 gibt die hauspost Antworten auf diese Fragen. Und im März gibt es ein Buchpräsent über Mecklenburg-Vorpommern sowie drei Nandolino-Sammeltassen in limitierter Auflage zu gewinnen.

Die Gewinnspielfrage lautete: Wie wird jemand genannt, der Wappen entwirft?

Dieses Gewinnspiel ist beendet.
Das Lösungswort lautet: Heraldiker


Text und Fotos: Norbert Bosse

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