Das Schloss vom Keller bis zum Dach erkunden
(31.01.2019)

Bei spannenden Führungen ergeben sich ganz einmalige Einblicke

hauspost-Schlossgeschichte 02/19

Die Kuppeln, Gänge und Keller des Schlosses sorgen noch immer für Überraschungen. 8.000 Besucher machen sich jährlich auf die spannende Tour über Kuppeln und durch Keller. Es sollen noch mehr werden.

Tausende Menschen zieht es jährlich in das Schweriner Schloss. Sie besuchen das Schlossmuseum mit seinen historischen Räumen – den Thronsaal und die Ahnengalerie. Es gibt allerdings  Führungen, für die braucht es eine Anmeldung im Landtag. Annelie Schröder ist in der Schweriner Landtagsverwaltung dafür verantwortlich. Wer über die Dächer des Schlosses schreiten will und im Innern der großen goldenen Kuppel verweilen möchte, der muss eine besondere Führung buchen. „Vom Keller bis zur Kuppel“ so das Motto dieses ganz besonderen Erlebnisses.

Empfangen werden die Besucher am Hauptportal des Schlosses. Nach dem Sicherheitsscheck geht es in den frisch sanierten Innenhof. Wo noch vor Monaten Baugerüste standen, erblickt der Besucher jetzt den Innenhof in seiner ganzen Schönheit. Mit „Dracula” während der Schlossfestspielen fanden im vergangenen Jahr hier auch zum ersten Mal seit der Sanierung wieder Veranstaltungen statt. Auch für dieses Jahr ist einiges geplant.


Vom Innenhof aus geht es für den Besucher weiter zum ersten Höhepunkt: die wunderbar restaurierte Schlosskirche. Der Gast steht unter dem blauen Sternenhimmel und staunt. Annelie Schröder erzählt, „dass die Decke in der Kirche nicht neu bemalt wurde, sondern nur gründlich gereinigt wurde“. Hunderte goldener Sterne glänzen am Firmament. Voller Stolz präsentiert die Schlossführerin den Altarraum und die farbigen Kirchenfenster.

Und nun steigen die Teilnehmer der Führung hinab in den Keller. Als der Großherzog 1857 in sein neues Schloss einzog, wusste er, dass es auch mit vielen neuen technischen Errungenschaften ausgestattet war. So gab es beispielsweise die ersten Spültoiletten für die Königswohnung. Das Wasser dafür kam aus Tanks in den großen Türmen und wurde unter anderem über Leitungen im Wendelstein wieder heruntergeführt. Der Wendelstein ist der größte Treppenturm im Schloss. Hier unten im Keller erwartet die Besucher ein wahres technisches Museumsstück: den alten noch original erhaltenen Umsturzfeuerofen mit Asche- und Feuerluke. Er sorgte für wohlige 15 Grad Wärme in den großen Räumen. Auch ein Blick in das Feuerloch ist für die Besucher erlaubt.

Über die weiße Marmortreppe geht es wieder hinauf ins Schloss. Für Besucher normalerweise verschlossen – das Zimmer des Ältestenrates des Landtages. Dieser prächtige Raum mit den großen Säulen war einst der Eingangsbereich zur Königswohnung. Eine sogenannte „Rauschanlage“ vor der Tür sorgt dafür, dass während der Sitzungen keine Geheimnisse nach draußen gelangen.

In die dritte Etage geht es dann vorbei am alten Plenarsaal und am überlebensgroßen Gemälde vom Fürsten Niklot. Über den Wendelstein gelangt der Besucher in das „Rapunzelzimmer“. „Kein wirklich historischer Name”, so Annelie Schröder. „Doch hier oben in dem Turm unter den Balken erinnert man sich einfach an das alte Märchen.“ Heute dient der Raum als Tagungsort und zeigt einige alte Fundstücke.


Über den sogenannten Sargboden geht es dann zu etwas gruseligen Ausstellungsstücken. Hier unter dem Dach stehen zwei alte Transportsärge. Die waren immer mit dabei wenn der Herzog auf Reisen war. Im Falle eines Falles wurden dann die richtigen Särge in diesen Schmucksärgen transportiert. Sie waren einst mit Samt und roten Borten versehen, zeigt die Schlossführerin.

Jetzt heißt es wieder Treppen steigen. Die Besucher dürfen ganzjährig auch auf das Dach des Schlosses und bis in die große goldene Prunkkuppel steigen. Über die Dächer des Schlosses führen gesicherte Gänge und Wege und es bietet sich dem staunenden Gast ein toller Blick auf das Residenzschloss und auf den Schlossgarten.
Viele Details sind zu sehen und zu bestaunen: die Geländerkinder – kleine Steinstauen, die von Flachdächern in den Innenhof schauen – oder der Erzengel Michael auf der Prunkkuppel. Seit einiger Zeit gibt es auch Bienenvölker hier oben

Was kaum jemand ahnt: Im Schloss gibt es die wohl eindrucksvollste Raucherecke des Landes. In der vierten Etage befindet sich, über dem Hauptportal  gelegen, die Niklothalle mit dem großen Reiterstandbild. Nur hier dürfen die Abgeordneten und Mitarbeiter des Landtages eine Zigarettenpause machen. Bei dem frostigen Wetter gibt es durch die Schutzgitter, die Tauben abhalten sollen, einen ganz besonderen Ausblick.

Am Ende gelangen die Besuchergruppen über die große Schlosstreppe wieder zum Haupteingang zurück. Was am Ende immer noch ein Geheimnis bleibt ist der „Petermännchengang“. Er soll unter dem Schweriner See hindurch zum Franzosenweg oder auch zum Marstall führen. „Vielleicht wird man ja in späteren Jahren hier noch einmal tiefer forschen”, meint Annelie Schröder.

Die Führungen von Keller bis zu Kuppel finden ganzjährig und täglich statt. Nur wenn der Landtag Sitzung hat, verlangen die Abgeordneten nicht gestört zu werden. Denn je nach Interesse der Besucher geht es auch schon mal in die Fraktionsräume. Die Gruppen sind zwischen zehn und 20 Personen groß. Wer sich dafür interessiert selbst einmal Schlossführer zu werden, der wende sich im Landtag an Annelie Schröder. Sie plant und organisiert alle Touren.


Infos unter: www.landtag-mv.de


Was tut sich hinter den Gemäuern und wo lässt sich noch heute Interessantes aus vergangene Zeiten entdecken? Wie gut kennen wir „unser Schloss“? Im Gewinnspieljahr 2019 gibt die hauspost Antworten auf diese Fragen. Und im Februar gibt es die Teilnahme an der Eröffnungsveranstaltung des Schweriner Gourmet Gartens am 12. Juli für zwei Personen inklusive eines Verzehrgutscheins in Höhe von 100 Euro zu gewinnen.

Die Gewinnspielfrage lautete: Wie werden die kleine Steinstauen genannt, die von Flachdächern aus in den Innenhof des Schlosses blicken?
Lösung: Geländerkinder

Dieses Gewinnspiel ist leider beendet.


Text und Fotos: Norbert Bosse

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