Die Orangerie hat in Schwerin Tradition

Jahrhunderte alte Terrakotten haben hohen kunsthistorischen Wert

hauspost-Schlossgeschichte 11/19

Wenn Inga Schreiber von der Landtagsverwaltung durch die Räume und Anlagen der dreiflügeligen Orangerie und ihrer Terrakottasäle geht, gerät sie ins Schwärmen: „So vieles ist hier noch möglich, so unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten bieten sich an und so viele Geschichten stecken noch in den Räumen.“ Da gibt es den alten Eiskeller und das sogenannte Verlies. Der Weinbergsaal grenzt an Mauern, Räume und Fundamente die noch aus den Gründungszeiten des Schlosses und der Burg stammen. Überall hat es schon Sicherungsmaßnahmen gegeben und Fundamente sind gegossen worden. Zugänglich sind die Räume nur begrenzt, vieles ist noch Baustelle. Viel Zeit, Geld und Ideen sind noch notwendig, um die zahlreichen Räume und Möglichkeiten auszuloten und dann zu realisieren.
„Aber dadurch wird einmal mehr deutlich”, erzählt Inga Schreiber, „welche Bedeutung das Schweriner Schloss nicht nur als Herrschersitz, sondern auch kunsthistorisch und architektonisch hat.“
Besonders auffällig und ungewöhnlich sind natürlich die Terrakotten. Die ältesten stammen aus dem 16. Jahrhundert. Das Wort Terrakotta stammt vom lateinischen „terra cotta“ und bedeutet so viel wie „gebrannte Erde”. Typisch für diese Art der Keramik sind die rötlich-braune Farbe und der Umstand, dass sie nicht glasiert ist.
Während der Umbauarbeiten am Schweriner Schloss veranlasste der Baumeister Georg Adolph Demmler im 19. Jahrhundert, dass die gut erhaltenen Renaissance-Terrakotten von den alten Schlossfassaden abgenommen und im Medaillonsaal wieder eingebaut wurden. Auf den Medaillons sind Personen in Kleidung der Antike oder der Renaissance abgebildet. Es gibt auch Terrakotten mit figürlichen Darstellungen.
Insgesamt sind 192 Reliefplatten aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Sie stammten aus der Lübecker Werkstatt des Statius von Düren, schreibt Restaurator Rolf Krause in einem Bericht.
Der Medaillonssal ist etwa 26 Meter lang und neun Meter breit. In der Längsachse stehen gekuppelte Säulen und die Decke besteht aus Sterngewölben. Hier soll einmal ein Restaurant einziehen, die Schlossküche befindet sich ganz in der Nähe. Man kann sich heute schon vorstellen, was für ein wunderbarer Ort der Gastlichkeit das einmal werden wird. Fast so wie der Großherzog es einst gewollt hatte.
Ein tonnenartiger Gang entlang des Hauptturmes im Kellergeschoss verbindet die beiden Säle. Der Weinlaubsaal an der Ostseite des Schlosses wird auch heute wieder als Winterquartier für die Kübelpflanzen genutzt. Hier fallen dem Betrachter vor allem die Säulen mit Weinlaubterrakotten ins Auge. Bereits zu Zeiten des Großherzogs befassten sich die Baumeister damit, die Säle der Orangerie zu beheizen, denn Friedrich-Franz II. wollte hier mit seinen Gästen flanieren und zu bestimmten Anlässen auch Empfänge stattfinden lassen. Die Architektin Anna Katharina Zülch schreibt darüber, dass „die Aufstellung einer Dampfmaschine mit Verteilungsleitungen zum Bereich Hofdornitz und zu Grotte“ belegt ist.
Im 20. Jahrhundert wurde die Orangerie noch ganz anders genutzt. Bis 1992 gab es hier ein Polytechnisches Museum. Die Räume waren jedoch in einem zu schlechten bautechnischen Zustand, um das Museum weiterzubetreiben. Eines der berühmtesten Ausstellungsstücke aus jener Zeit, das Modell der „Klingebielschen Fabrik“, ist heute im Wismarer „Phantechnikum“ zu bewundern.
Und wenn es nach der Schweriner Landtagsverwaltung geht, dann wird es auch in Zukunft wieder Ausstellungen im Weinlaubsaal der Orangerie des Schweriner Schlosses geben.

Text und Fotos: Norbert Bosse

Was tut sich hinter den Gemäuern und wo lässt sich noch heute Interessantes aus vergangenen Zeiten entdecken? Wie gut kennen wir „unser Schloss“? Im Gewinnspieljahr 2019 gibt die hauspost Antworten auf diese Fragen.
Zu gewinnen gibt es dieses Mal 3x2 Freikarten für Cavalluna am 7. Dezember um 18.30 Uhr sowie 3x2 Freikarten für das Feuerwerk der Turnkunst am 15. Januar.

Die Gewinnspielfrage lautet: Was bedeutet das Wort „Terrakotta”?

Lösung: „gebrannte Erde”

Dieses Gewinnspiel ist leider beendet.


Gewonnen haben H. Diakiw, S. Niepagen, E. Rutz, R. Jurczinksi, C. Krause und V. Güde.

Herzlichen Glückwunsch!