Aktuelle Ausgabe: Hauspost 2013 Nr. 183
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Dieter Kremer wohnt seit 75 Jahren in der Schweriner Pestalozzistraße 16
Ein Zuhause für drei Generationen
Artikel vom 19.04.2012 /  WGS
Originalmietvertrag aus dem Jahr 1937 Foto: maxpress/ba
Originalmietvertrag aus dem Jahr 1937 Foto: maxpress/ba
Schwerin • Seit dem Erstbezug im Jahr 1937 ist eine Parterrewohnung in der Schweriner Pestalozzistraße 16 fest in der Hand einer Familie: Ernst und Martha Kremer bezogen mit ihrem damals einjährigen Sohn Dieter das neue Zuhause. Heute genießt der mittlerweile 76-Jährige mit seiner Frau Hannelore gänzlich neuen Wohnkomfort in eben diesem Haus.
„Meine Eltern sind 1937 aus der Wittenburger Straße in die damalige Memelstraße 16 gezogen. Das war wohl genehmer - immerhin handelte es sich um einen komfortablen Ziegelbau. Mit Ofenheizung, Innen-WC und Gas-Kohle-Herd in einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung“, erzählt Dieter Kremer. Weniger komfortabel präsentierte sich seinerzeit der Weg bis vor die Haustür. Den Möbelwagen für den Umzug hatten zwei Pferde gezogen, die auf dem Weg stecken geblieben waren, schmunzelt der 76-Jährige. Zwei weitere Pferdestärken waren nötig, damit die junge Familie das neue Zuhause samt Möbeln in Besitz nehmen konnte. Der Kinderwagen für Klein-Dieter wurde von der Einmündung an getragen. „Beim Bäcker an der Ecke standen auch die guten Schuhe für den Stadtgang“, erinnert sich Dieter Kremer.
Vieles hat sich seither ganz grundlegend verändert. Bürgersteige, eine gute Straße, Parkplätze vor der Tür und eine Komplettsanierung des Gebäudes im Jahr 1999 haben ein Plus an Komfort gebracht. Dieter Kremer und seine Frau genießen heute ihr Rentnerleben - zu zweit in ihrer schönen, immer noch ruhig gelegenen Wohnung. Vor allem die Nähe zur Innenstadt mit ihren Einkaufsmöglichkeiten, die gute Erreichbarkeit von Bushaltestelle und Bahnhof, die Versorgung mit Fernwärme und eine insgesamt moderne Ausstattung sehen die Kremers als Vorteile ihrer WGS-Wohnung an.
Jetzt reichen den beiden Senioren die zweieinhalb Zimmer auch wieder aus. „Viele Jahre lang war es jedoch ziemlich eng in der Wohnung“, erinnert sich Hannelore Kremer (71). Als junge Ehefrau und Mutter zweier kleiner Kinder wohnte sie mit ihrem Mann und dessen Eltern in der Pestalozzistraße 16 - somit lebten drei Generationen in der kleinen Wohnung, bis Großvater Kremer 1968 starb. „Es gab doch damals keinen Wohnraum. Wir sind so oft zum Amt gerannt. Aber da war nichts zu machen. Also teilten sich unsere beiden Kinder ein kleines Zimmer, bis meine Schwiegermutter im Jahr 1980 auf den Großen Dreesch zog“, erzählt Hannelore Kremer. Und ihr Mann ergänzt: „In jenem Jahr haben wir dann auch unseren ersten eigenen Mietvertrag bekommen. Bis dahin hatte der Kontrakt aus dem Jahr 1937 seine Gültigkeit.“ Diesen kleinen Schatz hat Dieter Kremer sorgsam aufbewahrt.  Der achtseitige Vertrag mit der Gemeinnützigen Kleinwohnungsbaugesellschaft Schwerin GmbH überträgt den Kremers die Nutzung der Wohnung Nummer 157. Er trägt die Unterschriften beider Eltern und weist eine Miethöhe von 37,75 Reichsmark aus. Auch eine mehrseitige Hausordnung wurde den Mietern seinerzeit neben einer ganzen Handvoll Schlüssel ausgehändigt.
Heute sind für Grundmiete und Modernisierungszuschlag rund 260 Euro zu berappen. Ein Preis, den die Eheleute angemessen finden. „Ich habe mich hier immer wohl gefühlt“, sagt Dieter Kremer. Kein Wunder also, dass seine Frau Hannelore ihn überzeugen konnte, seine Zeitzeugen-Geschichte zu erzählen. Denn wer kann schon von sich behaupten, ganze 75 Jahre lang einem einzigen Zuhause die Treue gehalten zu haben?Barbara Arndt