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Interview mit Sozialpädagogin Anne Kuske über die wichtigsten Schritte nach der Reha

Patienten bei Wiedereingliederung begleiten

Neu Zippendorf • Die Folgen eines Unfalls oder einer schweren Erkrankung, sie gehen weit über das rein Physische hinaus. Die Unsicherheit, wie es nach der Reha weitergeht, belastet viele. Unterstützung bietet der psychosoziale Bereich im Reha-Zentrum Schwerin. hauspost sprach mit Diplom-Sozialpädagogin Anne Kuske.
 
 
hauspost: Frau Kuske, was sind die Aufgaben des psychosozialen Bereichs?
Anne Kuske: Uns geht es vor allem darum, dem Patienten bei der beruflichen Wiedereingliederung zu helfen. Denn nicht immer ist klar, dass er wieder in seinen alten Beruf zurückkehren kann. Unser Ziel ist es, krankheitsbedingte frühzeitige Verrentungen zu vermeiden oder hinauszuzögern, indem wir mit dem Patienten alternative Lebensperspektiven prüfen und entwickeln. Wir kennen die vielfältigen Hilfen der Sozialversicherungsträger für eine Wiedereingliederung in das Berufsleben. Gemeinsam mit dem Patienten wählen wir die passende aus und geben Unterstützung bei der Stellung von den nötigen Anträgen.

hauspost: Welche denn?
Kuske: Nun, manchmal sind Umbauten am bisherigen Arbeitsplatz erforderlich. Ein Lkw-Fahrer mit einem Rückenleiden braucht vielleicht einen besonderen Sitz. Darüber und über die Kosten muss ebenfalls mit dem Arbeitgeber gesprochen werden.
Wir reden dann auch darüber, ob der Mitarbeiter vielleicht zuerst einmal mit weniger Stunden am Tag starten kann.

hauspost: Und was passiert, wenn der Patient nicht wieder an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren kann?
Kuske: Das kann verschiedene Folgen haben und hängt davon ab, welche Tätigkeiten noch ausgeübt werden können. Unter Umständen ist eine Umschulung erforderlich. Oder aber es müssen Anträge gestellt werden, zum Beispiel wegen einer Schwerbehinderung. Das ist individuell und von Fall zu Fall gänzlich unterschiedlich. Idealerweise läuft es wie bei einem unserer Patienten, der als Lagerarbeiter in einer Spedition gearbeitet hat. Die Tätigkeit konnte er wegen eines Bandscheibenvorfalls nicht mehr ausüben. Doch sein Arbeitgeber wollte nicht auf ihn verzichten. Und jetzt macht der Mann in seiner bisherigen Firma eine Umschulung zum Speditionskaufmann.

hauspost: Schildern sie doch mal den klassischen Ablauf ihrer Zusammenarbeit mit einem Patienten.
Kuske: Zu Beginn der Rehamaßnahme setze ich mich mit den behandelnden Ärzten hier im Rehazentrum in Verbindung. Die geben mir Informationen über den Patienten: Kann er seinen alten Beruf wieder ausüben, wie lange ist er außer Gefecht gesetzt, welche Tätigkeiten sind zu empfehlen, sind bleibende Beeinträchtigungen zu erwarten und so weiter. Darüber spreche ich dann mit dem Patienten. Gemeinsam versuchen wir herauszufinden, was für ihn das Beste ist. Dabei berücksichtige ich sein Alter, mögliche Vorqualifikationen, ob er ortsgebunden ist oder Kinder hat. Aus dem Katalog des Kostenträgers ermitteln wir dann das Passende. Das wiederum hat zur Folge, dass bestimmte Anträge gestellt werden, dass der Kostenträger festgelegt wird - und das zuvor natürlich ein ärztliches Gutachten vorliegt.

hauspost: Viele Dinge, die zu berücksichtigen sind ...
Kuske: ... und die der Patient allein gar nicht bewältigen kann. Für ihn ist ja das Wichtigste, so weit und so schnell wie möglich wieder gesund zu werden. Man darf nicht vergessen: Unsere Patienten haben oftmals zum ersten Mal mit physischen und damit verbunden auch psychischen Beeinträchtigungen zu tun. Damit müssen sie fertig werden, wir helfen ihnen dabei und nehmen sie an die Hand.

hauspost: Sie sagten, dass sie mit den bisherigen Arbeitgebern der Patienten über eine mögliche Rückkehr sprechen. Helfen sie auch bei der Suche nach neuen Jobs?
Kuske: Ja, und nicht nur das. Ich recherchiere ständig selbst nach Arbeitsmöglichkeiten, gehe direkt auf Arbeitgeber zu und frage nach. Ich helfe den Patienten aber auch beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen oder bei der Beantragung von Zuschüssen. Und natürlich bespreche ich jeden Fall regelmäßig mit dem verantwortlichen Kostenträger, bis der entsprechende Bewilligungsbescheid erteilt werden kann.
Interview: Christian Becker



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