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Marode Holzpfähle: Häuser und Straßen in Schwerins Innenstadt bedroht
 

Bakterien zerfressen Fundamente
Werden bald ersetzt: Die maroden Pfähle zur Abstützung der Ufermauer

Foto: max

Altstadt • Je dichter die Schweriner in der Nähe ihres Schlossherrn wohnen wollten, um so riskanter mussten sie bauen. Gebäude rund um den Pfaffenteich, der Große Moor, in der Mecklenburgstraße, das Theater und natürlich das Schloss selbst stehen mit Pfählen auf wackligem Untergrund. Viele Pfähle sind noch aus Holz und in ihrer Resttragfähigkeit stark eingeschränkt.

„Die Gefahr lauert unter Straßen und Gebäuden”, sagt Volker Klemm, zuständig für Ingenieur-Bauwerke der Stadt. Wie der Untergrund tatsächlich beschaffen ist, kann auch er nicht genau sagen. Das gesamte Ausmaß der Schäden komme nur Stück für Stück bei Sanierungen zu Tage.
Etliche Bauwerke unterhalb des Altstadthügels ruhen mit ihren Fundamenten auf Pfählen. „Wer nahe am Wasser baut, muss natürlich mit moorastigen Uferzonen rechnen”, sagt Klemm. Deshalb waren schon die ersten Siedler gezwungen, ihre Hütten auf Pfählen zu errichten. 
Acht bis zehn Meter tief dringen die Pfähle in den moorigen Boden ein. Unter meterdicken Aufschüttungen und nicht tragfähigen Bodenschichten befinden sich ganz zu unterst feine Sande. Kurz: Nicht gerade optimaler Untergrund für Bauwerke. 
Vom Mittelalter an gab es zahlreiche Brände, denen oft ganze Häuserreihen zum Opfer fielen. Später wurden Gebäude wieder auf den alten Fundamenten errichtet, aber als Unterbau blieben die Holzpfähle. „Natürlich werden die schon geraume Zeit durch neue Stahlbeton-Pfähle ersetzt. Aber an zahlreichen Bauwerken besteht immer noch eine Holz-Pfahl-Gründung. 
So sind beispielsweise die Holzpfähle an der Ufermauer in der Werderstraße zwischen Restaurant Wallenstein und Schlossbrücke von Bakterien befallen. Mehr als fünfzig Prozent der Tragfähigkeit sind so aufgebraucht, ergab ein spezielles Holzschutzgutachten”, erklärt Klemm. 
„Das Austauschen der Pfähle ist sehr aufwändig und verursacht Kosten. Aber es bleibt uns keine Wahl, wenn wir nicht wertvolle Bausubstanz verlieren wollen”, sagt Joachim Schmidt, Leiter der städtischen Denkmalschutzbehörde. 
Die Verbindung von Baugrund, Pfahlgründung und Anbindung an Straßen mit viel Verkehr hat teilweise schon zu Absenkungen von Gebäuden, Straßen und auch Ufermauern geführt. 
Anfang der 90-er wurden die ältesten Keller der Altstadt untersucht. Ziel der Untersuchung war, Spuren älterer Bebauung oder Besiedlung zu finden. Und Aufschlüsse über die historische Gestalt und die räumliche Entwicklung zu erhalten. „Wir haben daraus viele interessante Erkenntnisse ziehen können. Ein Bohlenweg aus dem 13. Jahrhundert wurde dabei in der Bischofstraße entdeckt”, betont Schmidt. 
Teile der Werderstraße liegen ebenfalls auf solchen Fundamenten. Deutlich sind Verwerfungen und Absenkungen zu erkennen. 
„Problematisch sind auch Uferbereiche. Die Kaimauer in der Schlossbucht muss ständig beobachtet werden. Und vor allem, sie muss so erhalten werden, wie sie um 1860 angelegt wurde. Etwaige Veränderungen ziehen riskante statische Veränderungen nach sich”, warnt Schmidt. 
Schon um späteren Haftungsansprüchen entgegentreten zu können, wird immer der Ist-Zustand eines Bauwerkes vor der Maßnahme akribisch dokumentiert und fotografiert. „Wir führen vor jedem Bauvorhaben ein genaues und detailliertes Beweis-Sicherungs-Verfahren durch. So geschehen auch beim Bau der Treppenanlage zum Restaurant Wallenstein”, sagt Klemm. 
Im kommenden Frühjahr werden mehr als 150 Holz-Pfähle an der Ufermauer in der Werderstraße „abgebrochen” und mit großem technischen Aufwand durch neue aus Stahlbeton ersetzt. Heidi Schrenk 


Historie

Der älteste Platz einer Siedlung
lässt sich zwischen heutiger Burg- und Friedrich-, Mecklenburg- und Klosterstraße lokalisieren, umschlossen damals von hölzernen Palisaden. Eine Stadtmauer aus unbehauenen Feldsteinen entstand erst Mitte des 14. Jahrhunderts (Reste findet der aufmerksame Betrachter heute noch an der Burgstraße hinter dem Landesamt für Denkmalpflege). Die erste Erweiterung der Siedlung begann an der Bader- und Ritterstraße, der Große Moor wurde erst im 15. Jahrhundert bebaut. Die 1248 erstmals erwähnte Schelfstadt erwuchs aus einem Fischerdorf auf flacher Insel, der Schelfe. Zur Stadt erhoben erst 1705 und zeitgemäß barock umgestaltet, verband sie sich 1832 mit der Altstadt zu einem kommunalen Ganzen.
Sieben Stadtbrände zwischen 1531 und 1697 suchten Teile des Areals heim, veränderten die Grundform aber nicht. Nach Rückkehr des Hofes 1837 aus Ludwigslust, das seit 1756 Residenz gewesen war, lohnte sich Bauen wieder, besonders aber, als Georg Adolf Demmler begann, die Stadt planmäßig innerhalb ihrer naturgegebenen Grenzen zu erweitern. Das Arsenal entstand, der Pfaffenteich wurde befestigt, die Paulsstadt mit ihrer neugotischen Kirche auf höchstem Punkt wuchs.

Südliche Eingangspforte älter als der Dom
 

Tor zum Paradies verschlossen

Altstadt • Seit hundert Jahren ist sie mit einer Mauer verschlossen und Passanten nehmen sie beim Vorbeigehen kaum noch wahr - und doch war sie einmal das Wichtigste am Dom. Sie war das Hauptportal und für die Gläubigen auch der Eingang zu himmlischen Freuden: Die Paradiespforte am Schweriner Dom.
Unter Heinrich dem Löwen wurde bis Mitte des 13. Jahrhunderts eine romanische Basilika gebaut. Doch bald genügte der schlichte Dom nicht mehr den Ansprüchen als Bischofskirche. Und wurde bis auf den Turm abgetragen. Um 1417 war der prächtigere gotische Dom fertig gestellt. Aber erst 1892 wurde der Turm durch einen neugotischen ersetzt.
In dessen südlicher Turmwand ist bis heute ein architektonisches Relikt aus romanischer Zeit erhalten geblieben:


Hofft auf Öffnung des Portals: Gerlinde Haker, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit am Schweriner Dom 

Foto: ma
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Die Paradiespforte - sie dürfte noch vor 1248 entstanden sein. Und ist somit älter als der jetzige Dombau. Leider aber heute nicht mehr zugänglich, da das Fundament des neu errichteten Domes über der Pforte liegt. Das himmlische Paradies verspricht: Ewige Freuden, keine Not, keinen Kummer, weder Krieg noch Leid. Für Gläubige war der Eingang in das Haus Gottes Sinnbild für den Eintritt ins Paradies. Deshalb nannten sie den Eingang zum Dom - Paradiespforte. Seit mehr als einhundert Jahren ist das Tor zum Paradies versperrt. Die Schweriner Domgemeinde wollte es wieder öffnen. Für die Kirchenleitung gab es wichtigere Bauvorhaben.   hs