Schweriner
Carl-Friedrich-Flemming-Klinik braucht eigene Klinikschule
Unterricht
als hilfreiche Therapie
Lewenberg
• Immer mehr Kindern und Jugendlichen fehlen in der modernen
Zeit tiefe soziale Bindungen an Eltern, Lehrer oder Freunde.
Ihr Alltag ist geprägt von einer Flut von medialen Reizen und
dem absoluten Mangel an Beziehungen. Die Folge: Die Empfindungsfähigkeit
ist verschüttet, Aggression und Gewalt und damit auch psychische
Erkrankungen nehmen zu.
Nun wurde
in der Schweriner Klinikschule auch noch die wöchentliche Stundenzahl
gekürzt. "Das ist eine absolut falsche und unverständliche Entscheidung",
erklärt Dr. Jörgen Fuchs, Chefarzt der Schweriner Klinik für
Kinder- und Jugendneuropsychiatrie und Psychotherapie. Im Vergleich:
Früher wurden in der Klinikschule 134 Unterrichtsstunden pro
Woche erteilt, inzwischen sank die Zahl auf 48. Rund 35 Schüler
werden täglich von vier Lehrern in der Klinikschule in allen
gängigen Schulformen betreut. Das Kultusministerium ist jedoch
der Meinung, die Kinder- und Jugendneuropsychiatrie benötige
die gleiche Stundenanzahl, wie eine "normale" Krankenhausschule.
Und
genau das sieht Dr. Fuchs ganz anders: "Dort haben die Kinder
meist nur eine geringe Verweildauer und es werden aufkommende
Wissenlücken vermieden. Hier bei uns ist der Unterricht eine
Form der Therapie, ähnlich wie die Arbeits- oder Beschäftigungstherapie
bei den Erwachsenen." Denn oft bleiben die jungen Patienten
für Wochen in der Klinik. Rund 70 Kinder in Schwerin haben über
Jahre keine Schule mehr besucht, sind aggressiv und ganz und
gar nicht schulmotiviert. "Die Störungen sind oft so groß, dass
ein Einzelunterricht notwendig wird. Wir müssen die Kinder und
Jugendlichen ganz vorsichtig wieder an die Leistungsbereitschaft
heranführen", erklärt Dipl.-Med. Vera Geelhaar, Fachärztin für
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. "Denn bei
vielen unserer jungen Patienten ist das positive Anliegen verschüttet."
So
versuchen, Lehrer und Therapeuten in erster Linie Ersatzbindungen
aufzubauen. "Wir haben Kinder und Jugendliche bei uns, die in
ihrem Leben noch nie irgendeine Bindung hatten.Waren früher
drei von zehn Kindern schwierig, sind es heute sieben von zehn.
"Die globale Bindungsarmut ist ein gesellschaftliches Problem",
so Fuchs. "Doch auch wir können nur dem Menschen helfen, der
sich helfen lassen will." max
Team
der Depressionsstation der Flemming-Klinik hilft die Seele zu
heilen
Wieder
mit allen Sinnen genießen

Kreativität
kontra Depression: Gestaltungstherapie in der Flemming-Klinik
Foto: Cordes
Lewenberg
• Wer kennt das nicht: Ein Streit, ständiger Frust auf Arbeit,
die Konzentration lässt nach, Schlafstörungen und körperliches
Unwohlsein stellen sich ein. Wird daraus ein Dauerzustand, müssen
die Alarmglocken läuten, denn dann ist die Seele krank.
"Wenn
wir uns den Arm verstaucht haben, gehen wir ohne Scheu sofort
zum Arzt, ist jedoch die Seele krank, zögern die meisten Menschen
auch heute noch einen Therapeuten aufzusuchen", sagt Dr. Karin
Konnopka, Oberärztin an der Schweriner Klinik für Psychiatrie
und Psychotherapie. "Dabei kann auch hier beim frühen Erkennen
einer Depression besser geholfen werden.
Die
Symptome ähneln sich: Krankheitsgefühle ohne organische Ursachen,
Schlafstörungen, die allgemeine Belastbarkeit lässt nach, Gefühle
des Versagens stellen sich ein, das Selbstwertgefühl rutscht
in den Keller, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit machen sich
breit. Eine Ursache kann zum Beispiel ein chronischer Partnerschaftskonflikt
sein. Jemand kann sich nicht abgrenzen, ist extrem harmoniebedürftig
und vermeidet Konflikte. Kleinigkeiten summieren sich. "Wir
haben heute verschiedene Methoden die Depression zu heilen",
so Dr. Karin Konnopka. "Neben der medikamentösen Behandlung,
steht die Psychotherapie." In Einzel- und Gruppengesprächen
versucht man so, der Depression auf den Grund zu gehen. Dabei
helfen die Bewegungs- und Musiktherapie, Ergo- und Reittherapie,
die Lichttherapie und die Wachtherapie, die zum Beispiel Einfluss
auf den Biorythmus nimmt. In der Genusstherapie lernen die Patienten
beispielsweise wieder das genussvolle Erleben. Die Sinne werden
angesprochen und somit verschüttete Gefühle aktiviert.
Das besondere
der Depressionsstation besteht darin, dass hier nicht nur der
Arzt, sondern das ganze Team speziell auf die Depressionsbehandlung
ausgerichtet ist. "Das wesentliche einer Depressionstherapie
ist das Einfühlen und Verstehen von Problemen", betont Dr. Karin
Konnopka. "Wir bieten vor allem Nähe an." So werden Gefühle
der Einsamkeit überwunden. Mit zum Konzept der Depressionsstation
gehört, dass Patienten, denen es bereits besser geht, diesen
Zustand vermitteln und damit allen anderen neue Hoffnung geben.
max