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Ein Kultursommer mit Format
Kunst und Courage

Wann wird es wieder richtig Sommer? Diese Frage mögen sich Einheimische und Touristen in den vergangenen Wochen des öfteren gestellt haben. Schließlich erinnerte die allgemein als Sommer bekannte Jahreszeit eher an einen milden, aber regenreichen Winter. Dennoch bekamen Eingeborene und Eroberer einen Sommer geboten: den nun schon traditionellen Schweriner Kultursommer. Der sollte laut OB-Statement in der ansprechenden Begleit-Broschüre „auch in diesem Jahr facettenreich das kulturelle Geschehen bereichern“.

Zugleich war von einer Art „philosophischen Klammer" die Rede. Diese Klammer sollte die Inhalte zusammenhalten. Die Überlegung war: „In diesem Kultursommer soll die Kunst zum Menschen kommen.“ Und um beim Philosophieren zu bleiben, stellt sich ausgangs des Sommers natürlich die Frage, wie nah sie denn einander gekommen waren - der Mensch und die Kunst? Es gibt nichts Gutes außer man tut es. Diesen Gedanken von Erich Kästner mögen die Initiatoren und Organisatoren des diesjährigen Kultursommers zumindest im Hinterkopf gehabt haben, als sie ein - um noch einmal Stadtoberhaupt Kwaschik zu zitieren - ebenso, vielfältiges wie farbenreiches, also sommerliches Programm auf die Beine und den Leuten gleichsam in den Weg stellten.

Kunst in den Weg gestellt

Und tatsächlich „stolperte“ man an vielen Plätzen der Stadt im besten Sinne des Wortes über Kunstobjekte. So zum Beispiel an den beiden Ufern des Pfaffenteiches oder auf dem Alten Garten. Die Kunst stand also im Wege, und man kam nicht so einfach dran vorbei. Auch das ist eine Variante der Annäherung von Kunst und Mensch und wahrscheinlich noch nicht einmal die


Kultursommer: Kunst zum Begreifen, nicht zum Beschmieren

schlechteste. Zumal hinter der Begegnung von Kunst und Mensch ja immer auch eine Begegnung von Mensch und Mensch steht - die von Produzent und Rezipient, von Künstler und Konsument. Und da ist es eigentlich egal, ob es sich um eine eher direkte Beziehung handelt wie bei den



heißen Rhythmen der brasilianischen Tänzerinnen zum Auftakt des diesjährigen Kultursommers oder um eine eher stille Zwiesprache mir den berühmten zeitkritischen Caprichos des Francisco de Goya, die sogar noch fast bis Mitte September im Schleswig-Holstein-Haus zu betrachten sind. Entscheidend bleiben die gegenseitige Neugier und der gegenseitige Respekt. Schließlich hat Kultur auch eine ganze Menge mit Anstand und Verstand zu tun. In diesem


Sinne ist es mehr als schade, dass dem einen oder anderen die Kunst offenbar so sehr im Wege stand, dass er sie weg-haben wollte. Und so gehört zur Bilanz des diesjährigen Kultursommers neben viel Regen auch, dass eine Reihe von Kunstobjekten beschädigt und beschmiert, zerstört oder gar in einem Schweriner Gewässer versenkt wurden. Auch das ist natürlich ein Umgang mit Kunst - allerdings keiner, der unbedingt für die jeweiligen Akteure und für die Kulturstadt Schwerin spricht.

Anregung 2001: Zivilisation Schwerin

Schade. Denn neben vielen anderen Angeboten gab es in diesem Jahr auch ein Projekt „Zivilisation Deutschland“ mit Teilnehmern aus Norwegen, den Niederlanden und Deutschland. Und auch vor diesen, zugegeben vielleicht nicht immer auf den ersten Blick zu erschließenden Kunst-Objekten, machte die Zerstörungswut nicht halt. Ob man sich mal vorstellt, wie es eigentlich wäre, wenn man statt des Kunst-Werkes den jeweiligen Künstler selbst angriffe und demontierte? Heißt Zivilisation nicht auch kulturvoller Umgang miteinander? Eben ein zivilisierter Umgang auch mit Kunst. Damit der Mensch zur Kunst kommen kann. Meiner Meinung nach sind Kunst und (Zivil)Courage kein schlechtes Paar ...
Schwerin versteht sich nicht nur als Landeshaupt-, sondern auch als Kulturstadt. Anerkanntes Markenzeichen dieser Kulturstadt ist der alljährliche Kultursommer. Für die nächsten Jahrgänge wünscht man sich wieder viel Fantasie und Farbenfreude, neugierige Gäste und couragierte Gastgeber sowie vielleicht eine Art Installation zum Thema „Denk-Wege: Zivilisation Schwerin“. Und natürlich Sonne. Wann wird es wieder richtig Sommer? Hoffentlich bald.







Nachgefragt

Hallo hauspost!
Leserin Christel Miegel meldete sich bei der hauspost-Redaktion. Sie wohnt in der Arno-Esch-Str. in einem WGS-Haus, das direkt nach der Wende gebaut wurde. Die Straße wurde dieses Jahr fertiggestellt. Alles in allem eine schöne Gegend, in der die Miegels wohnen und sie wären mit ihrer Wohnlage auch sehr zufrieden - gäbe es nicht das Hochhaus an der Ludwigsluster Chaussee, auf das sie direkt von ihrem Balkon aus blicken. Das Haus stehe seit langem leer und sei ein Schandfleck. Die kaputten Fenster klapperten im Wind und das schlecht abgesicherte Gelände stelle eine Gefahrenquelle für spielende Kinder dar, so Christel Miegel.

hauspost machte sich auf die Suche nach dem Eigentümer und fand heraus: Mitte der 90er wurde das Gebäude an eine Schweriner Immobiliengesellschaft verkauft, in deren Besitz das Haus auch heute noch ist. Die Pläne: Umbau in 50 Prozent schwellenfreie Wohnungen für Betreutes Wohnen (in Zusammenarbeit mit einem lokalen Betreiber); in den ersten beiden Etagen sind gewerbliche Räume geplant (für z.B. ein Café oder Ärzte); die übrigen Wohnungen sollen auf dem Wohnungsmarkt angeboten werden. Der Betreiber hofft auf einen Baubeginn in ein bis zwei Monaten.